Samstag, 17. November 2018

Insolvenz BFI-Bank am Ende - 60.000 Gläubiger

Als komplett ausweglos schildert Insolvenzverwalter Derra die Situation der Dresdner BFI-Bank. Auch Kommunen zählen zu den Gläubigern - deren angelegte Millionen dürften verpufft sein.

Dresden - Die Verbindlichkeiten der BFI-Bank in Dresden belaufen sich auf etwa 223 Millionen Euro. Das teilte Insolvenzverwalter Hans-Jörg Derra mit. Am selben Tag hatte das Dresdner Amtsgericht das Insolvenzverfahren gegen das private Kreditinstitut eröffnet.

Kein Lebenszeichen mehr: BFI-Zentrale in Dresden
Rund 209 Millionen Euro der Verbindlichkeiten betreffen Kunden. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind seriöse Prognosen über die Höhe der Insolvenzquote und die Dauer des Verfahrens unmöglich", sagte Derra.

Für eine positive Fortführungsprognose gebe es keine Anhaltspunkte, so Derra. "Weder die derzeitigen Aktionäre noch Dritte waren bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereit oder in der Lage, das erforderliche Eigenkapital zur Beseitigung der Überschuldung und der Wiederherstellung des haftenden Kapitals bereit zu stellen." Interessenten für eine Übernahme gebe es offensichtlich nicht. Mit anderen Worten: Die Bank ist tot.

Stadt Zella-Mehlis muss 2,8 Millionen abschreiben

Unterdessen fürchten Kommunen in Thüringen um ihre Geldeinlagen bei der Bank. Allein die Stadt Zella-Mehlis legte nach eigenen Angaben 2,8 Millionen Euro bei der BFI-Bank an. Da Kunden aus dem öffentlichen Bereich nicht unter den Einlagensicherungsfonds fielen, könnte kommunales Geld verloren gehen.

Zu den Ursachen der Insolvenz zählte Derra an erster Stelle "konjunkturelle Einflussfaktoren insbesondere im Zusammenhang mit Immobilienfinanzierungen" und Probleme im operativen Bereich. Die BFI-Bank habe im Vertriebs- und Provisionsgeschäft statt der erhofften Erträge Verluste in erheblichem Umfang hinnehmen müssen. Darüber hinaus habe es in der Aufbau- und Ablauforganisation der Bank Mängel gegeben - verursacht auch durch häufigen Wechsel in der Führungsebene.

Die BFI-Bank war schwerpunktmäßig in der Wohnungsbau- und Immobilienfinanzierung sowie in der Provisionsvorfinanzierung für Vertriebsgesellschaften tätig. Ferner finanzierte die Bank Anlegern den Kauf geschlossener Immobilienfondsanteile. Das Bankhaus beschäftigte in Dresden zuletzt etwa 50 Mitarbeiter. Ferner gibt es Niederlassungen in Würzburg und Luxemburg.

Gedrängel bei der Gläubigerversammlung erwartet

Das Amtsgericht berief die Gläubigerversammlung für den 7. Oktober in den Dresdner Kulturpalast ein. Weitere Termine stehen nach Angaben des Gerichts noch nicht fest. Das gelte auch für die Frist zur Anmeldung der Forderungen.

Ob der 2400 Plätze fassende große Saal im Kulturpalast für die Gläubigerversammlung ausreicht, bleibe fraglich. Bereits am Vortag hatte das Dresdner Anwaltsbüro Dr. Heß & Timmann, das die Interessengemeinschaft der BFI-Geschädigten vertritt, auf eine mögliche Platznot hingewiesen. Man dürfe gespannt sein, was geschieht, wenn ein Großteil der mehr als 60.000 Gläubiger anreist, hieß es.

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