Montag, 10. Dezember 2018

WestLB Prüfer spüren schwere Fehler auf

Die von der BaFin beauftragten Wirtschaftsprüfer haben offenbar neue Missstände bei Deutschlands fünfgrößter Bank aufgedeckt. Demnach hat die WestLB im Fall des britischen TV-Verleihers Box Clever gegen das Kreditwesengesetz verstoßen.

Düsseldorf - Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) hat im Fall Box Clever nach Informationen des "Handelsblatt" gegen das Kreditwesengesetz (KWG) verstoßen. Die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beauftragten Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young hätten die Verstöße gegen das Kreditwesengesetz (KWG) aufgedeckt, schreibt die Zeitung am Montag unter Berufung auf Finanzkreise.

 Verstoß gegen das Kreditwesengesetz? WestLB-Zentrale in Düsseldorf
DPA
Verstoß gegen das Kreditwesengesetz? WestLB-Zentrale in Düsseldorf
Die WestLB habe die Bilanzen von Box Clever in den Jahren 2000, 2001 und 2002 unzureichend geprüft. "Der Verzicht auf eine klassische Unternehmensanalyse mit Auswertung der bilanziellen Verhältnisse und der Gewinn- und Verlustrechnung auf Basis der vorliegenden Jahresabschlüsse stellt einen wiederholten Verstoß gegen § 18 KWG dar" wird ein Insider des Prüfberichts in der Zeitung zitiert. "Die WestLB wollte dem Bericht zufolge auf Anfrage keinen Kommentar abgeben.

Die Verstöße bezögen sich auf eine Vorschrift des KWG, wonach Banken sich bei Krediten von mehr als 250.000 Euro die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens offen legen lassen müssen. Das BaFin prüfe auch die Rolle von Johannes Ringel, Vorstandsvorsitzender der WestLB, im Zusammenhang mit der Kreditvergabe an Box Clever, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".

AR-Chef Bernd Lütje gerät unter Druck

Zudem gerät einem Bericht des Anlegermagazins "Focus" der WestLB-Aufsrichtsratsvorsitzende Bernd Lüthje unter Druck. Diesem sei bereits im Mai 2002 die Schieflage bei Box Clever gebekannt gewesen, schreibt das Magazin in der aktuellen Ausgabe.

Zuletzt war bekannt geworden, dass die WestLB neben den Risiken aus den Londoner Investmentbank-Aktivitäten und bei Flugzeugfinanzierungen auch mit "erheblichen stillen Lasten aus Börsenbeteiligungen" kämpft. Dies hatte laut dem SPIEGEL der Interims-Chef des Instituts, Johannes Ringel, bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung berichtet.

Demnach stehe die 30-Prozent-Beteiligung am Reisekonzern TUI noch zu 20 Euro pro Aktie in den Büchern, obwohl der Kurs der TUI-Aktie Börsen-Chart zeigen seit Monaten unter der Marke von 14 Euro dümpelt. Ringel bestätigte in der Sitzung die Größenordnung zusätzlicher Risiken in Höhe von 1,5 Milliarden Euro.

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