Mittwoch, 22. November 2017

Iraks Öl Halliburton, übernehmen Sie!

Nach dem Löschen der Brände im Irak soll die Ex-Firma des US-Vizepräsidenten Dick Cheney nun auch den Aufbau und die Organisation des Öl-Handels verantworten. So weitgehende Machtbefugnisse waren anfangs nicht abgemacht, kritisiert die US-Opposition.

Washington - Die Exfirma von US-Vizepräsident Dick Cheney ist von der Regierung nicht nur mit der Löschung der Brände auf den irakischen Ölfeldern beauftragt worden.

Vorwurf der Vorteilsnahme für den Ex-Arbeitgeber: US-Vizepräsident Dick Cheney
Wie aus Unterlagen hervorgeht, bekam Halliburton Börsen-Chart zeigen auch den weit lukrativeren Auftrag, das Ölsystem Iraks wieder in Gang zu bringen. Das Pentagon hatte bereits im März mitgeteilt, die Halliburton-Tochter Kellogg, Brown and Root (KBR) sei mit dem Löschen brennender Ölquellen beauftragt worden.

Kritiker aus Reihen der Firma werfen der Regierung von US-Präsident George W. Bush jetzt vor, bewusst verschleiert zu haben, wie umfangreich der Auftrag an KBR tatsächlich ist. Eine Firmensprecherin widersprach dem, alle Teile des Auftrags seien bekannt gegeben worden. Aufträge wie der für Halliburton waren von der US-Regierung nach dem Golfkrieg ohne öffentliche Ausschreibung direkt an die Firmen vergeben worden.

Iraks Öl-Experten können nicht selbst bestimmen

Der kalifornische Abgeordnete Henry Waxman kritisierte, der langfristige Vertrag für Halliburton stehe auch im Widerspruch zur Aussage der US-Regierung, die Iraker könnten selbst über ihr Öl bestimmen.

Erst fünf Wochen nach Bekanntgabe des Vertrages werde deutlich, dass die Firma auch mit der Förderung und Verteilung des irakischen Erdöls beauftragt worden sei. Der Auftrag könne über zwei Jahre einen Umfang von rund sieben Milliarden Dollar haben, wobei aber wohl von weit mehr brennenden Ölfeldern ausgegangen wurde.

Kriegs-Gewinner: Die Aktie von Halliburton im Vergleich zum Nasdaq-Index (rot)
Nach Regierungsangaben hatte Cheney nichts mit der Vertragsvergabe zu tun. Er war jedoch bis vor drei Jahren Vizepräsident bei Halliburton.

Unter Cheney, so der Abgeordnete Waxman, habe Halliburton trotz des von Washington verhängten Embargos seit den 80er Jahren mit Iran, Irak und Libyen Geschäfte gemacht. Die Beziehungen seien "zwischen 1995 und 2000 fortgesetzt worden, als Cheney das Unternehmen führte" und dauerten "offenbar heute noch an", schrieb der Politiker in einem Brief an US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.

Die Aktie von Halliburton konnte seit Anfang des Jahres deutlich zulegen. Am gestrigen Dienstag schloss sie an der New York Stock Exchange bei 22,66 Dollar und hat damit seit Januar rund 20 Prozent gewonnen.

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