Donnerstag, 30. Juni 2016

Mannesmann/Vodafone Chronik einer Übernahmeaffäre

Knapp dreieinhalb Monate dauerte die spektakulärste Übernahmeschlacht der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Nun steht der seit Ende Januar dieses Jahres laufende Mannesmann-Prozess wegen des Vorwurfs der schweren Untreue beziehungsweise der Beihilfe dazu kurz vor dem Abschluss. Eine Chronik der Ereignisse.

22. Oktober 1999:

Einen Tag, nachdem Mannesmann-Chef Klaus Esser den Kauf des britischen Mobilfunkanbieters Orange angekündigt hat, berichtet die Londoner "Times", der (ebenfalls britische) Konzern Vodafone-Airtouch plane die Übernahme von Mannesmann. Vodafone Börsen-Chart zeigen, weltgrößter Mobilfunkbetreiber und bereits mit 34 Prozent an Mannesmann Mobilfunk beteiligt, ist ein Konkurrent von Orange. Die Mannesmann-Aktie notiert an diesem Tag bei 144 Euro.

  Auf der Anklagebank:  Klaus Esser
DPA
Auf der Anklagebank: Klaus Esser
7. November 1999: Zeitungen spekulieren, dass Vodafone und France Telecom eine "feindliche" Übernahme planen. Der Mannesmann-Kurs steigt steil an.

14. November 1999: Vodafone legt den Mannesmann-Aktionären ein erstes Übernahmeangebot vor. Es hat ein Volumen von umgerechnet rund 100 Milliarden Euro, für eine Mannesmann-Aktie werden 43,7 eigene Anteile geboten. Vodafone interessiert sich für das D2-Netz des Düsseldorfer Konzerns.

Vorstandschef Klaus Esser lehnt die Offerte als "völlig unangemessen" ab. Vodafone-Chef Chris Gent bessert bis Dezember mehrfach nach. Er strebt jetzt eine feindliche Übernahme an.

16. November 1999: Die Mannesmann-Aktie steigt auf 209,90 Euro.

19. November 1999: Vodafone stockt sein Angebot mit 53,7 eigenen Aktien für eine Mannesmann-Aktie auf und richtet sich jetzt direkt an die Aktionäre. Der Wert der Übernahme-Offerte beläuft sich auf 124 Milliarden Euro. Damit ist das Angebot das bis dato höchste in der Wirtschaftsgeschichte. Der Mannesmann-Vorstand lehnt abermals ab.

23. November 1999: Auf einer Protestveranstaltung machen in Düsseldorf rund 1000 Betriebsräte des Konzerns Front gegen Vodafone. Konzern-Chef Klaus Esser kündigt eine Beschleunigung des Firmenumbaus an und will sich schneller auf den Wachstumsbereich Telekommunikation konzentrieren.

DER SPIEGEL
28. November 1999: Mannesmann lehnt das Angebot von Vodafone erneut ab.

21. Dezember 1999: Die Europäische Kommission genehmigt die Übernahme von Orange durch Mannesmann.

10. Januar 2000: Vodafone wirft Mannesmann vor, seine Aktionäre mit Warnungen vor erheblichen Risiken der Übernahme zu täuschen.

11. Januar 2000: Das "Wall Street Journal" berichtet über Gespräche zwischen Mannesmann und dem französischen Medien- und Telekomkonzern Vivendi Börsen-Chart zeigen.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH