Dienstag, 23. Januar 2018

Geländewagen Abgas-Trick oder Täuschung?

Ein Umweltverband wirft DaimlerChrysler, BMW und VW "arglistige Täuschung" vor. Ihre neuen, schweren Diesel-Geländewagen erfüllen nicht die zugesagte Pkw-Abgasnorm. Der Käufer müsse mehr Steuern zahlen als erwartet. Der Verband der Automobilindustrie tobt.

Berlin - Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat den Vorwurf der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zurückgewiesen, dass neue Geländewagen von BMW Börsen-Chart zeigen, DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen die seit drei Jahren für Personenwagen geltende Euro-3-Abgasnorm entgegen eigener Werbeaussagen nicht einhalten. "Der von der Deutschen Umwelthilfe erhobene Vorwurf der arglistigen Täuschung ist absurd", teilte der VDA am Dienstag in Frankfurt mit.

Zuvor hatte die Deutsche Umwelthilfe den Herstellern "arglistige Täuschung" der Kunden vorgeworfen. Betroffen seien Diesel-Fahrzeuge der Typen X5, M-Klasse und Touareg, die nach Auskunft des Kraftfahrt-Bundesamtes nur die steuerlich ungünstigere Euro-2-Norm für Personenwagen erfüllen. Die DUH forderte einen umgehenden Verkaufsstopp und eine Rückruf- und Umrüstaktion.

Trickreiche Abgaseinstufung - Kleinlaster statt Pkw

Die Forderungen nach Verkaufsstopp, Rückruf oder Umrüstaktionen bezeichnete der VDA völlig haltlos. Bei den Geländewagen kann laut dem Autoherstellerverband, sofern sie eine Gewichtsgrenze von 2500 Kilogramm überschreiten, auf die für leichte Nutzfahrzeuge festgelegten Grenzwerte zurückgegriffen werden.

Um beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg trotz der hohen Abgaswerte eine Typenzulassung zu erhalten, hätten die Produzenten die beanstandeten Fahrzeugtypen nach den Abgasgrenzwerten für Kleinlaster angemeldet, kritisierte hingegen DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Diese entsprächen aber der für Personenwagen nur bis 1999 gültigen Euro-2-Norm. Die Typenzulassung als "leichte Nutzfahrzeuge" sei auf Grund des hohen Gewichts der Autos möglich. Alle drei Firmen bewerben die Fahrzeuge damit, dass sie die Euro-3-Abgasnorm erfüllen.

So wirbt zum Beispiel der Volkswagen-Konzern für den Selbstzünder-Touareg ("Der stärkste Serien-PKW-Diesel aller Zeiten") mit vermeintlich "sehr guten Emissionswerten". DaimlerChrysler hebt ausdrücklich die "Umweltfreundlichkeit" seiner Diesel-Off-Roader hervor.

BMW: "Wir erfüllen ensprechende Grenzwerte"

VW-Sprecher Harthmuth Hoffmann sagte in Wolfsburg auf Anfrage, er verstehe die Aufregung nicht. "Die vom Gesetzgeber für die Fahrzeuge vorgesehenen Grenzwerte werden eingehalten." BMW wehrte sich gegen den Vorwurf der arglistigen Täuschung. "Das liegt uns fern", sagte ein Unternehmenssprecher in München. BMW habe den X5 Diesel als leichtes Nutzfahrzeug angemeldet und erfülle die entsprechenden Grenzwerte. Von DaimlerChrysler gab es zunächst keine Stellungnahme.

Droht Käufern nach Anmeldung höhere Steuer?

Resch bat Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) in einem der dpa vorliegenden Schreiben, gegen die Hersteller wegen "arglistiger Täuschung" vorzugehen. "Man verspricht die mit Euro-3 verbundenen guten Abgaswerte und einen entsprechend niedrigen Steuersatz", heißt es in dem Brief. "Nach dem Kauf erfolgt das Erwachen bei der Anmeldung des Fahrzeugs bei der Zulassungsstelle: Als Pkw angemeldet erfolgt die steuerliche Einstufung nach Euro-2, damit ist eine höhere Steuer zu bezahlen als seitens der Pkw-Hersteller behauptet."

Mercedes M-Klasse
In einem weiteren Schreiben bat Resch Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne), "gegenüber diesen drei Autoherstellern initiativ zu werden". Ansonsten drohten gesetzliche Regelungen und Selbstverpflichtungserklärungen etwa zur Kohlendioxid-Reduzierung umgangen zu werden.

Mehrere Geländefahrzeuge anderer Hersteller erfüllen die Euro-3-Norm zwar auch nicht, allerdings wird mit Einhaltung der Pkw-Abgasnorm auch nicht geworben.

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