Mittwoch, 28. Juni 2017

Krauss-Maffei Wegmann "Wir spüren eine Verschlechterung des Klimas"

Manfred Bode, Geschäftsführer des größten deutschen Panzer-Produzenten KMW, schildert die negativen Auswirkungen des Irak-Kriegs auf die Konzernlage: Gespräche mit US-Handelspartnern sind frostiger geworden, Nachrüstungs-Aufträge anderer Staaten Mangelware.

München - Als Bundeskanzler Gerhard Schröder unbeirrbar an seiner kriegsablehnenden Haltung festhielt, präsentierte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld dem deutschen Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) im Februar die Quittung: Aus der erhofften führenden Rolle bei der Entwicklung eines neuen Panzers für das US-Heer wurde nichts.

Vorzeigeprodukt deutschen Rüstungs-Knowhows: Kampfpanzer Leopard 2 A5 von KMW
Der Auftrag für das Future Combat System ging an die KMW-Konkurrenten General Dynamics Börsen-Chart zeigen und United Defense. "Wir hoffen jetzt auf Zuschläge als Unterauftragnehmer", sagte eine KMW-Sprecherin gegenüber manager-magazin.de - eine Entscheidung darüber hängt allerdings schon seit zwei Monaten in der Luft.

Zwar erhielt KMW (neben griechischen Firmen) in der vergangenen Woche einen Großauftrag über die Lieferung von 170 Leopard-2-Panzern an Griechenland im Wert von 620 Millionen Euro. Vor der Auftragsvergabe konnte KMW US-Konkurrenten ausstechen. In den USA selbst ist die Position von KMW - wie auch von anderen deutschen Rüstungskonzernen - aber offenbar geschwächt.

Geschäft mit US-Konzern Textron läuft glatt

"Wir spüren in Verhandlungen mit amerikanischen Firmen eine Verschlechterung des Klimas" sagt der Vorsitzender der KMW-Geschäftsführung, Manfred Bode, gegenüber manager-magazin.de. Davon ausgenommen sei allerdings ein Projekt, das KMW mit der Rüstungssparte des US-Technologiekonzerns Textron Börsen-Chart zeigen im Februar angeschoben habe. Es wurde eine Absichtserklärung über die Lizenzfertigung des gepanzerten Geländefahrzeugs Dingo 2 unterzeichnet und bei dem Projekt "hakt es nicht".

Deutlich sei aber ansonsten in den USA eine "allgemeine Zurückhaltung in Gesprächen über mögliche Kooperationen" festzustellen. Allerdings sieht Bode bis heute keine konkreten Auswirkungen. Wie sich die angespannte Atmosphäre langfristig aufs Geschäft auswirke, sei "heute nicht zu beurteilen".

Rüstungskonzerne uneins über Kriegs-Profite

Helmut Harff, Geschäftsführer Verteidigungswirtschaft beim Bundesverband der Deutschen Industrie, spricht ebenfalls von einer Atmosphäre, die sich "eindeutig zu Ungunsten der deutschen wehrtechnischen Industrie verändert". Und auch der zweite große Panzer- und Militärfahrzeug-Hersteller in Deutschland, Rheinmetall Börsen-Chart zeigen, sieht das US-Geschäft problembeladen: "Ich sorge mich als Bürger und Unternehmer über die Verschlechterung des politischen Klimas", so Rheinmetall-Chef Klaus Eberhardt.

Vollkommen unterschiedlich dagegen sind die Aussagen der Rüstungsexperten Eberhardt und Bode über die Effekte auf die Auftragslage aus anderen Ländern: "Wehrtechnik ist ein langfristiges Geschäft. Allerdings profitieren wir mittelfristig von der wieder stärker werdenden Erkenntnis, dass wir ohne Verteidigung nicht sicher leben können", sagte Eberhardt vor Ausbruch des Irak-Krieges gegenüber der "Rheinischen Post".

"Es wird kein Produkt von uns im Irak eingesetzt"

Eine Einschätzung, die KMW-Chef Bode nicht teilt: "Wir erwarten durch den Irak-Krieg keine erhöhte Nachfrage nach unseren Produkten. Auch mittelfristig sehen wir keine Auswirkungen auf die Branche 'Verteidigungsprodukte' in Deutschland. Es gibt auch kein Land, das aufgrund des Irak-Konfliktes Aufträge erteilt oder erweitert hat", so Bode gegenüber manager-magazin.de, ohne näher auf die Hintergründe eingehen zu wollen.

Dass Ersatz für zerstörtes Kriegsgerät bei KMW nachgeordert werden könnte, ist laut Bode auszuschließen: "Es wird kein Produkt aus unserem Haus im Irak-Konflikt eingesetzt."

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