Montag, 19. November 2018

Wella Procter kauft für 92,25 pro Aktie

Die Übernahmeschlacht ist entschieden. Der US-Konzern Procter & Gamble hat 77,6 Prozent an dem Darmstädter Konzern gekauft. Damit ist das Kalkül von Konkurrent Henkel aufgegangen, denn jetzt kommt ein stattliches Gebot für die freien Aktionäre auf den Tisch.

Darmstadt - Der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble Börsen-Chart zeigen hat die Mehrheit an dem Darmstädter Haarkosmetikunternehmen Wella Börsen-Chart zeigen übernommen.

 Portfolio immens verstärkt: Konsumgüter-Gigant P&G hatte bisher Schwächen im Bereich Haarpflege.
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Portfolio immens verstärkt: Konsumgüter-Gigant P&G hatte bisher Schwächen im Bereich Haarpflege.
P&G habe einen Vertrag über den Kauf von 77,6 Prozent der stimmberechtigten Aktien der Familienaktionäre geschlossen, teilte Wella am Dienstag mit. Dies entspreche 50,7 Prozent des Wella-Grundkapitals. Der Kaufpreis betrage 92,25 Euro je Stammaktie.

Gebot an freie Aktionäre mit hohem Aufschlag

P&G kündigte an, den freien Aktionären ein öffentliches Kaufangebot zu unterbreiten. Geboten würden 92,25 je Stamm- und 61,50 Euro je Vorzugsaktie.

Der US-Konsumgüterkonzern behält sich vor, den Wella-Vorzugsaktionären die Möglichkeit einzuräumen, wahlweise ihre Vorzugsaktien in P&G-Aktien zu tauschen. Die Angebotsunterlagen will der Konzern nach der Genehmigung durch die Finanzaufsicht (BaFin) auf seiner Homepage veröffentlichen (www.procterundgamble.de).

Erst in der vergangenen Woche hatte die Henkel Börsen-Chart zeigen 6,86 Prozent der Wella-Anteile erworben. Da dieses Paket innerhalb weniger Tage deutlich an Wert zugelegt hat, steigt die Henkel-Aktie am heutigen Dienstag um mehr als acht Prozent und liegt damit an der Spitze der Dax-Gewinner.

Betriebsrat enttäuscht

Dem Wella-Vorstand liegen nach eigenen Angaben aktuell keine weiteren Informationen über die Vereinbarung der Familienaktionäre mit Procter & Gamble vor.

Deshalb könne der Vorstand derzeit keine Aussagen zu möglichen Konsequenzen für die Zukunft des Unternehmens machen, hieß es mit Blick auf mögliche Stellenstreichungen oder Standortschließungen. Procter & Gamble müsse seine Absichten mit Wella spätestens in der gesetzlich vorgeschriebenen Angebotsunterlage mitteilen.

"Die Bestürzung und Betroffenheit ist riesig", kommentierte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Wella, Bernhard Laube, die Übernahme durch P&G. "Wir haben gedacht, dass wir in den vergangenen Jahren gut gearbeitet und das Unternehmen vorwärts gebracht haben", fügte er hinzu.

"Schlicht und ergreifend Kasse gemacht?"

Am Morgen sei die Belegschaft bundesweit informiert worden, dass die Eigentümer die Mehrheit an die Amerikaner verkauft hätten.

Auch der Vorstand zeigte sich über den plötzlichen Ausstieg der Großaktionäre nicht erfreut: "Wella hat klar definierte Wachstumsziele bis 2005 veröffentlicht und ist weiterhin davon überzeugt, die zugrunde liegende Strategie wie bisher aus eigenen Kräften umsetzen und sich eigenständig weiterentwickeln zu können." Die Entscheidung der Aktionäre liege außerhalb des Einflussbereiches des Managements, hieß es.

Über den überraschenden Verkaufswillen der vier Familienzweige Ebert, Pohl, Sander und Ströher ließ sich indes nur spekulieren. "Die wollen halt schlicht und ergreifend Kasse machen", hieß bei der Wella-Belegschaft. Bisher hatte es stets geheißen, nicht alle Nachfahren wollten ihre Anteile abgeben, was für den Verkauf des Mehrheitspakets notwendig ist.

"Das ist so, als würde sich jemand ihr Baby schnappen und verkaufen", kommentierte ein Branchenkenner die enttäuschte Reaktion des Vorstands. Der Ausstieg der Ströher-Nachfahren sei aus Wella-Sicht ein "Bruch der Loyalität". "Die haben sich die Hacken abgelaufen und dann kommt der Kapitaleigner und verkauft alles." Vor allem unter dem amtierenden Vorstandschef Heiner Gürtler hatte sich Wella erfolgreich am Markt positioniert.

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