Mittwoch, 19. Dezember 2018

Dragoco / H&R Elf Prozent Weltmarktanteil

Die ehemals verfeindeten Duft-Produzenten Dragoco und H&R starten gemeinsam unter neuem Namen. Nach dem Einstieg der schwedischen Wallenberg-Dynastie sind die Aroma-Spezialisten unter Erfolgsdruck.

Holzminden - Die beiden Duft- und Geschmackstoffhersteller Dragoco und Haarmann & Reimer (H&R) haben einen neuen Namen: Seit heute firmieren die beiden fusionierten Unternehmen unter "Symrise". Umsatzmäßig rückt der Konzern mit einem weltweiten Marktanteil von elf Prozent in die Spitzengruppe auf.

Enthüllt: Drache und Kolibri sind das neue Markenzeichen des größten deutschen Anbieters von Aromen
Nach der Schweizer Givaudan, dem US-Unternehmen International Flavors and Fragrances sowie dem eidgenössischen Familienkonzern Firmenich bekleiden die Holzmindener mittlerweile Platz vier auf dem Weltmarkt. Symrise beschäftigt weltweit etwa 5800 Mitarbeiter und macht 1,2 Milliarden Euro Umsatz.

Angekündigt ist, dass bis 2005 die Zahl der Arbeitsplätze auf 4850 gekürzt werden soll. Außerdem wird die Zahl der Standorte von derzeit weltweit 35 auf 25 gestutzt.

Der schwedische Finanzinvestor EQT Northern Europe Private Equity Fonds (EQT) hatte Haarmann & Reimer und eine Minderheitsbeteiligung an Dragoco im Juli 2002 mit dem Ziel der Fusion beider Firmen erworben.

Beteiligung wandert von Leverkusen nach Schweden

EQT ist Mehrheitseigner des neuen Unternehmens, Symrise-Geschäftsführer und Dragoco-Alteigentümer Horst-Otto Gerberding hält 22 Prozent und die Nord/LB zwei Prozent. Besitzer der EQT sind die Wallenbergs, Europas mächtigste Industriellenfamilie, die auch maßgebliche Beteiligungen an Ericsson, ABB und AstraZeneca hält.

Leitet vom niedersächsischen Holzminden aus die Nr. 4 auf dem Welt-Duftmarkt: Dragoco-Alteigentümer Gerberding
Vor dem Einstieg der Schweden hielt der Bayer-Konzern Börsen-Chart zeigen die Mehrheit an H&R. 1954 hatten die Leverkusener sich in Holzminden eingekauft. Im Dezember 2001 kündigte der damalige Bayer-Chef Manfred Schneider jedoch an, dass man sich im Rahmen des Konzernumbaus von H&R trennen wolle.

In der größten Geschmacksfabrik Deutschlands werden Aromen für Lebensmittel ebenso wie für Parfüms kreiert. Lindt, Mars, Haribo, Unilever, Beiersdorf und Procter & Gamble gehören zu den Kunden. Ein lohnendes Geschäft: Über Jahre erreichten die Umsatzrenditen von H&R und Dragoco mehr als sechs Prozent, waren manchmal gar knapp zweistellig.

Das Kernproblem der Fusion ist allerdings die jahrelange Feindschaft der beiden Unternehmen. So wurden die H&R-Mitarbeiter lange Zeit von den Dragoco-Kollegen aufgrund besserer Sozialleistung und großzügiger Arbeitnehmer-Kredite beneidet. Die unterschiedlichen Ansprüche unter einen Hut zu bekommen ohne die Atmosphäre zu vergiften, das scheint nun die Herausforderung für das Management zu sein.

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