Montag, 17. Dezember 2018

Eon Der Ruhrgas-Deal ist besiegelt

Eons geplanter Zehn-Milliarden-Coup ist gelungen. Alle neun Kläger gegen die Ruhrgas-Fusion haben aufgegeben. Damit steht der größten deutsch-deutschen Übernahme seit vier Jahren nichts mehr im Weg.

Düsseldorf/Berlin/Helsinki - Eon-Chef Ulrich Hartmann versuchte gar nicht erst, seine Erleichterung zu verbergen: "Die Einigung mit den Klägern ermöglicht es uns, die Ruhrgas-Übernahme kurzfristig perfekt zu machen. Beim Ausbau unseres Gasgeschäfts können wir jetzt durchstarten und so im Wettbewerb mit den anderen großen europäischen Gasunternehmen mithalten."

Seit der Fusion von Veba und Viag im Jahr 1999 zu Eon, die damals ebenfalls bereits von Hartmann verantwortet war, gab es auf dem deutschen Markt keinen Unternehmenszusammenschluss in diesem Ausmaß.

Ging in letzter Minute in Eon-Besitz über: Ruhrgas-Zentrale in Essen
Die Hintergründe sind nach wie vor nicht ganz klar. Lediglich über die Einigung mit der finnischem Fortum berichtete Hartmann detailiert. Als Rechtfertigung für die außergerichtliche und möglicherweise kostspielige Einigung mit den anderen acht Klägern sagte Hartmann: "Die Alternative, ein Verfahren vor dem Bundesgerichtshof, hätte sicherlich bis Ende 2004 gedauert."

Den Fall Eon/Ruhrgas Börsen-Chart zeigen geklärt hat eine Meldung des Oberlandesgerichts Düsseldorf: Von dort kam um 11.41 Uhr die Meldung, dass alle neun Kläger gegen die Fusion von Ruhrgas und Eon ihre Klagen zurückgezogen hätten.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat die Einigung begrüßt. Es sei im deutschen Interesse, dass nun für vier Standorte Sicherheit geschaffen worden sei, sagte Clement in Lahnstein bei Koblenz.

Gleichzeitig kritisierte der Minister aber die lange Dauer des Verfahrens. "Wir können uns das im internationalen Wettbewerb nicht leisten", sagte Clement. Der Minister hatte bereits vor einigen Tagen kritisiert, dass Ministerentscheide zu Fusionen nach gültiger Rechtslage zu leicht zu entkräften seien.

Direkt an den Verhandlungen Beteiligte äußerten sich seit gestern zwar optimistisch - doch selbst wenn nur ein Unternehmen seine Klage gegen den Ministerentscheid für Eon aufrecht erhalten hätte, wäre das gesamte Unterfangen zum Scheitern verurteilt gewesen.

Welche Zugeständnisse machte Eon?

Ein Projekt, in das Eon zehn Milliarden Euro investieren will, und von dessen Gelingen sowohl die Zukunft der Degussa Börsen-Chart zeigen wie auch der RAG stark beeinflusst werden.

Die Reaktionen an der Börse fielen kurz nach der Meldung positiv aus: Die Aktien von Eon und Degussa stiegen. Die Ministererlaubnis für die Fusion sei jetzt rechtskräftig, berichteten Bundeswirtschaftsministerium und OLG Düsseldorf.

Die Rücknahme der Beschwerden erfolgte nur eine Stunde vor dem Termin, an dem der Kartellsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts eigentlich seine endgültige Entscheidung über die Gültigkeit der Ministererlaubnis mitteilen wollte. Es galt als nahezu sicher, dass das Urteil den Übernahme-Plan vereitelt hätte.

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