Freitag, 16. November 2018

Länderranking Abgaben-Albtraum für Besserverdiener

Deutschland ist Vizemeister - bei Steuern und Versicherungskosten. In kaum einem anderen Land wird die Arbeit höher belastet. manager-magazin.de zeigt die wichtigsten Ergebnisse des aktuellen OECD-Länderrankings.

Hamburg - Seit die Völler-Truppe im Sommer 2002 den zweiten Platz bei der Fußballweltmeisterschaft belegte, schläft es sich hier zu Lande wieder etwas ruhiger. Ein neuer Vizetitel, den die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik jüngst verlieh, dürfte vor allem nun den Besserverdienern Albträume bereiten. Deutschland hat – gemessen an der Relation von Arbeitskosten und Nettolohn – die zweithöchste Steuer- und Abgabenlast unter den westlichen Industrieländern.

 "Skandalöse Ausmaße": Deutschland belegt bei den Abgaben einen Spitzenplatz
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"Skandalöse Ausmaße": Deutschland belegt bei den Abgaben einen Spitzenplatz
Das hat die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft auf Grundlage von Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ermittelt.

Ein unverheirateter, kinderloser Besserverdiener wird nur in Belgien höher belastet. Dort liegt der so genannte Abgabenkeil, der die Relation Arbeitskosten/Nettolohn angibt, bei knapp 62 Prozent. In Deutschland liegt der Anteil bei 56,6 Prozent.

Die Arbeitskosten beschreiben den Gesamtposten, den ein Arbeitgeber für einen Arbeitnehmer aufzuwenden hat. Im Wesentlichen umfasst dies die Bruttolöhne und Sozialaufwendungen des Arbeitgebers, sowie Kosten für berufliche Weiterbildung.

Beim gut betuchten, verheirateten Vater von zwei Kindern beläuft sich der Abgabenkeil in Deutschland auf 44 Prozent. Teurer sind nur noch Schweden und wiederum Belgien.

Immerhin: Der verheiratete Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern kommt besser weg. Mit einer Abgabenquote von 33,3 Prozent liegt Deutschland auf Platz sieben.

Entsprechend fällt das Fazit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft für die Bundesrepublik vernichtend aus. "Unsere Berechnungen zeigen, dass der Abgabenkeil in Deutschland geradezu skandalöse Ausmaße angenommen hat", sagte Gerhard Fels, Mitglied im Kuratorium der Initiative. Dies sei das Ergebnis einer jahrzehntelangen Fehlentwicklung, die sich durch die jüngsten Abgabenerhöhungen der Bundesregierung weiter verschärft habe, so Fels weiter.

Die Kluft zwischen den Arbeitskosten und den Nettolöhnen ist demnach in Deutschland seit 1979 kontinuierlich gestiegen. Während inzwischen auch traditionsreiche Wohlfahrtsstaaten wie Schweden und die Niederlande Reformschritte eingeleitet hätten, habe es in Deutschland keine substanziellen Fortschritte gegeben.

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