Dienstag, 13. November 2018

MLP "Stark irreführend"

Komplette Teams des angeschlagenen Finanzkonzerns wollen angeblich bei der Konkurrenz anheuern. Das Unternehmen dementiert: Die Mitarbeiterzahl steige weiter. Außerdem wurde eine Einstweilige Verfügung gegen die "Prior Börse" erwirkt.

Düsseldorf/Heidelberg - Der Heidelberger Finanzdienstleister MLP Börsen-Chart zeigen wird bis Jahresende mindestens 300 seiner Berater verlieren. Das sind "zehn Prozent der gesamten Verkaufsmannschaft", bestätigte ein Sprecher des Unternehmens der "Wirtschaftswoche".

Wie das Wirtschaftsmagazin vorab berichtet, bewerben sich "ganze MLP-Geschäftsstellen" nach Angaben aus der Branche bei der Konkurrenz, seit die Staatsanwaltschaft gegen MLP wegen des Verdachts auf Kurs- und Marktpreismanipulationen ermittelt. Bei der AWD-Tochter Horbach in Köln sollen sich bereits mehr als 100 MLP-Berater beworben haben.

"Schlechte Meldungen sind ein Selbstläufer geworden"

MLP hat die Darstellung der "Wirtschaftswoche" als "stark irreführend" bezeichnet. Es sei zwar richtig, dass wie 2001 die Fluktuation in diesem Jahr bei knapp unter zehn Prozent liegen werde, netto werde MLP aber einen sehr deutlichen Zuwachs bei der Anzahl von Beratern verzeichnen, sagte ein MLP-Sprecher am Mittwoch. Auch die Aussage, dass sich komplette Geschäftsstellen bei der Konkurrenz bewerben würden, treffe nicht zu.

"Ende 2001 hatten wir 2550 Berater, Mitte 2002 genau 2842 und für Ende dieses Jahres rechnen wir mit einem Anstieg auf eine Zahl über 3000", sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur DPA-AFX.

"Schlechte Meldungen über MLP sind ein Selbstläufer geworden - es wird alles von einem möglichst negativen Winkel her betrachtet". Auch Markt-Spekulationen, wonach das Geschäft mit Neukunden "vollkommen zum Erliegen" gekommen sei, träfen nicht zu. Der Sprecher räumte aber ein, dass wegen der vielen Negativ-Meldungen die Akquisition von neuen Kunden "schwierig" sei.

Einstweilige Verfügung gegen Egbert Prior erwirkt

Weiter teilte MLP am Mittwoch mit, der Aufsichtratsvorsitzende Manfred Lautenschläger habe von dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen die "Prior Börse" erwirkt.

Manfred Lautenschläger
Manfred Lautenschläger
Damit werde Prior verboten, weiter die Behauptung zu verbreiten, der MLP-Gründer habe eine Lebensversicherung über eine Milliarde Euro auf seinen Namen nur zum Schein abgeschlossen und diese inzwischen wieder storniert.

Der Börsendienst berichtete vor einer Woche unter Berufung auf das Umfeld des von MLP entlassenen Vertriebsvorstands Dorian Simon, der inzwischen von PR-Unternehmer Moritz Hunzinger beraten wird, mit der daraus resultierenden Millionen-Provision habe das Ergebnis von MLP geschönt werden sollen.

Der MLP-Mitgründer bezeichnete die Behauptung erneut als "ungeheuerlich und abstrus" und kündigte weitere rechtliche Schritte an. Auch das Magazin "Focus" hatte ähnliche Vorwürfe gegen Lautenschläger und MLP verbreitet.

Die um mehr als 90 Prozent abgestürzte MLP-Aktie legte am Mittwoch um 2,6 Prozent auf 6,28 Euro zu.

Manfred Lautenschläger im Porträt

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