Mittwoch, 22. August 2018

Bausparkasse Badenia Ex-Innenminister erhebt scharfe Vorwürfe

Anlagebetrug? Ex-Minister Baum fordert 500 Millionen Entschädigung - "erdrückende Beweise".

Frankfurt/Karlsruhe - Der ehemalige FDP-Bundesinnenminister Gerhart Rudolf Baum (1978 - 1982) hat die Vorwürfe gegen die Deutsche Bausparkasse Badenia (Karlsruhe) wegen unseriöser Immobiliengeschäfte verschärft.

 Greift die Bausparkasse scharf an: Ex-Inneminister Baum ist Sprecher einer Geschädigten-Vereinigung
DPA
Greift die Bausparkasse scharf an: Ex-Inneminister Baum ist Sprecher einer Geschädigten-Vereinigung
Ihm vorliegendes Material zeige deutlich, dass die Badenia rund 7000 betroffenen Kunden falsch beraten habe, sagte der Kölner Rechtsanwalt in Frankfurt. Daher seien bereits drei Klagen gegen die Bausparkasse eingereicht worden. Weitere sollen folgen.

Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) werde eingeschaltet. Den Betroffenen seien Schäden von mehr als einer halben Milliarde Euro entstanden, präzisierte Baum.

Bereits vor einem Jahr hatte der Badenia-Fall für Aufsehen gesorgt. Heute, knapp ein Jahr später, seien die Beweise gegen die Badenia "erdrückend", sagt Gerhart Baum, der Sprecher einer so genannten Geschädigten-Vereinigung ist.

Unseriöse Geschäfte eines "verlängerten Arms"

Ihm vorliegende Dokumente bewiesen eindeutig, dass die Bausparkasse mit der mittlerweile insolventen Vertriebsfirma Heinen & Biege in Dortmund verflochten gewesen sei.

Dieses Unternehmen hatte die Immobilien vermittelt, die mit Darlehen und Bausparverträgen von Badenia finanziert worden seien. Der Ex- Finanzvorstand von Badenia, Elmar Agostini, habe im Beirat von Heinen & Biege gesessen.

Die Dortmunder Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Firma wegen Anlagebetrug und Konkursvergehen. Heinen & Biege sei also lediglich "ein verlängerter Arm der Badenia", die damit ihre Rolle als Kreditgeberin erheblich überschritten habe.

In erster Linie seien Leute mit wenig Einkommen mit der Verheißung einer "sicheren Altersvorsorge" geködert worden. Diese seien mittlerweile am Rande der Zahlungsunfähigkeit, da die versprochenen Mieteinnahmen der Immobilien ausgeblieben seien.

Laufzeiten von 36 Jahren - anstelle der üblichen 20

Die Karlsruher Bausparkasse, eine Holding-Tochter von AMB Generali Börsen-Chart zeigen, bestreitet, als Anlageberater oder -vermittler bei den umstrittenen Objekten aufgetreten zu sein. "Die Funktion der Badenia ist lediglich die eines Kreditgebers", betonte das Institut.

Insbesondere das Finanzierungsmodell kritisiert die "Aktionsgemeinschaft der Heinen & Biege-Geschädigten", als deren Sprecher Baum auftritt. Es bestünde aus einem Darlehen der Badenia, das durch zwei aufeinander folgende Bausparverträge hätte zurückgezahlt werden sollen.

Die darin vereinbarten Raten seien aber viel zu niedrig, betonten Vertreter der Aktionsgemeinschaft. Damit dauere es bis zu 36 Jahre, um den Kredit zurückzuzahlen. Bei Bausparverträgen seien 20 Jahre üblich. "Diese Rechnung der Vermittler konnte nicht aufgehen, zumal sehr viele ältere Leute unterschrieben haben", so Baum.

Die Badenia habe auf dem Rücken kleiner Leute erheblich verdient. "Mit den Klagen und durch das Einschalten der Finanzaufsicht hoffen wir jetzt, für alle Betroffenen Lösungen mit der Bausparkasse zu finden", betonte Baum. Zum Durchschreiten aller gerichtlichen Instanzen fehle den meisten Geschädigten die Zeit.

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