Mittwoch, 19. Dezember 2018

Preussag Neuer Name, neues Glück

Aus der traditionellen Preussag wird TUI. Der Konzern rückt damit dem Ziel, ein reiner Reisekonzern zu werden, wieder ein Stück näher.

Hannover - Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Aktionäre auf der Hauptversammlung in Hannover für die Umbenennung von Europas größtem Reisekonzern. Preussag Börsen-Chart zeigen übernimmt den Namen seiner wichtigsten Touristiktochter TUI. Auf dem weiteren Weg zum reinen Reisespezialisten ist der Konzern seinem Ziel nun auch namentlich ein wenig näher gekommen. Mit der Eintragung ins Handelsregister wird die Änderung am Freitag gültig. Ab kommendem Dienstag wird die Aktie der Preussag dann unter dem Namen TUI gehandelt.

 Aus Preussag wird Tui: Die Änderung wird am Freitag mit der Eintragung ins Handelsregister gültig
Aus Preussag wird Tui: Die Änderung wird am Freitag mit der Eintragung ins Handelsregister gültig
Gleichzeitig konnte sich der Touristikkonzern über eine leichte Erholung der Buchungszahlen freuen. Trotz der starken Zurückhaltung der Kunden liegen die Buchungen im Sommergeschäft zwar noch um 7,2 Prozent unter den Zahlen des Vorjahres, doch zeichnet sich im Vergleich zum Vormonat eine leichte Verbesserung ab. Ende Mai habe der Rückstand noch 7,9 Prozent betragen, sagte Preussag-Vorstandschef Michael Frenzel am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Hannover.

"Wir haben in den letzten vier Wochen weiter aufgeholt, sehen allerdings nach wie vor nicht die Chance, an das Vorjahr anzuschließen", sagte Frenzel. Der Konzernchef stellte aber in Aussicht, dass auch dieses Geschäftsjahr mit einem "guten Ergebnis" abgeschlossen werde. Eine genaue Prognose für den weiteren Verlauf des Jahres wollte Frenzel nicht nennen. Eine konkrete Schätzung sei auf Grund des mehr als 50-prozentigen Anteils an kurzfristigen Buchungen sehr schwierig, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Preussag einen Jahresüberschuss von 411 Millionen Euro erwirtschaftet.

Der deutsche Reisemarkt schwächelt

Vor allem in Deutschland, Europas wichtigstem Tourismusmarkt, sei die Konsumzurückhaltung groß, so Frenzel. Hier liegen die Buchungen der Preussag derzeit um 12,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dennoch sei es dem Unternehmen gelungen, ein Prozent an Marktanteil zu gewinnen und damit besser abzuschneiden als der Markt.

Das gelte auch für Preussags englisches Tochterunternehmen Thomson Travel. Zwar liege das wichtige Sommergeschäft hier um 3,4 Prozent hinter den Vorjahresbuchungen zurück, doch werde Thomson Travel seine Stellung bei guten Margen verbessern können.

Auf dem Weg nach China

Während der europäische Markt kränkelt, verstärkt Preussag seine Bemühungen in Asien. "Mit der Gründung der TUI China werden wir uns eine Plattform in diesem Markt schaffen", sagte Frenzel. Es werde zurzeit ein Mehrheits-Joint-Venture mit der chinesischen Gesellschaft CTS (China Travel Service) geprüft, um auf die erwartete Zunahme des dortigen Reisemarktes vorbereitet zu sein.

Auch auf dem französischen Markt will Preussag seine Beteiligung ausbauen. Geplant ist, die Mehrheit an dem französischen Anbieter Nouvelles Frontières, an dem der Konzern bislang rund 30 Prozent hält, zu übernehmen.

Trennung von Energiesparte

Auf dem weiteren Weg zum Reisespezialisten kündigte der Vorstand eine baldige Veräußerung der gewinnträchtigen Energiesparte an. Der Verkauf werde kurzfristig in die Wege geleitet, sagte Frenzel. "Unsere Erdöl- und Erdgasproduktion ist für viele Produzenten von hohem strategischen Interesse. Dieses Zeitfenster gilt es zu nutzen, so dass wir uns entschlossen haben, den Energiebereich insgesamt zur Veräußerung auszuschreiben."

Wachstumschancen im Flugverkehr erkannt

Weiter bekräftigte Frenzel Interesse an dem boomenden Markt für Billig-Fluggesellschaften. In den nächsten zehn Jahren werde der Markt für Low-Cost-Carrier in Europa um zehn Prozent wachsen. "Wir wollen Anteil an diesem Wachstum haben und prüfen daher derzeit intensiv den Einstieg in diesen Markt." Zu genaueren Plänen oder jüngsten Spekulationen um eine Übernahme der deutschen Fluglinie Germania äußerte sich der Vorstandschef auf der Hauptversammlung jedoch nicht.

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