Dienstag, 19. März 2019

Kloster Andechs "Gesundes Konkurrenzdenken schadet nicht"

Pater Anselm Bilgri schreibt als "Finanzminister" seit 15 Jahren die Erfolgsgeschichte des Andechser Klosterbiers. Im Interview mit manager-magazin.de erklärt der Kirchenmann, wie Glaube und Gewinnstreben sich gut vertragen können.

mm.de:

Sustainability - ein neuer Trend an der Börse, der zeigt, das sich viele Anleger Gedanken um soziale und Umwelt-Aspekte bei der Aktienauswahl machen. Welchen Stellenwert haben für Sie Stichworte wie "Nachhaltigkeit" und "Langfrist-Perspektive" bei der Unternehmensstrategie?

 Bierreich im Namen der Kirche: Pater Anselm Bilgri (46) ist Finanzvorstand der erfolgreichen und wohltätigen Andechs-Brauerei am Heiligen Berg zwischen Ammersee und Starnbergersee. Bilgri, Sohn eines Gastwirts, trat mit 21 Jahren ins Kloster ein ("von BWL hatte ich da keine Ahnung"), zehn Jahre später wurde er Cellerar. Heute erzielt das klösterliche Unternehmen mit etwa 200 Mitarbeitern etwa 25 Millionen Euro Jahresumsatz.
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Bierreich im Namen der Kirche: Pater Anselm Bilgri (46) ist Finanzvorstand der erfolgreichen und wohltätigen Andechs-Brauerei am Heiligen Berg zwischen Ammersee und Starnbergersee. Bilgri, Sohn eines Gastwirts, trat mit 21 Jahren ins Kloster ein ("von BWL hatte ich da keine Ahnung"), zehn Jahre später wurde er Cellerar. Heute erzielt das klösterliche Unternehmen mit etwa 200 Mitarbeitern etwa 25 Millionen Euro Jahresumsatz.
Bilgri: Ohne Nachhaltigkeit und langfristiges Denken ist unternehmerischer Erfolg nicht zu sichern. Was heute Nachhaltigkeit heißt und von vielen als eine neue Komponente bei der Bewertung von Unternehmen begriffen wird, ist bei den Benediktinern und ihrer Art des Wirtschaftens schon lange gute Tradition.

mm.de: Könnten Sie sich vorstellen, dass Andechs oder eine Tochter irgendwann als börsennotierte AG am Markt sein werden?

Bilgri: Mit der Kloster Andechs Gastronomie AG hat das Kloster Andechs bereits eine 50-prozentige Tochter in der Gesellschaftsform einer AG. Die Diskussion um die Börsennotierung dieses Unternehmens stellt sich derzeit nicht.

mm.de: Einige kirchliche Institutionen legen so genannte Ethik-Fonds auf, die auch zur Altersvorsorge des Personals dienen. Die Performance dieser Fonds liegt im Vergleich zu anderen, konservativen Portfolios häufig über dem Durchschnitt. Ist das ein Zeichen dafür, dass das Bedenken höherer, gesellschaftlicher Interessen für Unternehmenslenker ein "gesunder" Schritt ist?

Bilgri: Ich freue mich über den Erfolg dieser Fonds. Sie zeigen, dass Wirtschaft eben nicht allein nach dem Prinzip funktioniert: "Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht". Ein Blick für das ganze Gemeinwesen zu bewahren, ist insgesamt ein Gewinn. Umso besser, wenn er sich auch in barer Münze auszahlt.

 Braukunst im modernen Design: Firmenemblem des Klosters Andechs
Braukunst im modernen Design: Firmenemblem des Klosters Andechs
mm.de: Gibt es aus Ihrer Sicht ein Spannungsfeld zwischen Andechs und Mitbewerbern am Bier- beziehungsweise Restaurantmarkt? Immerhin können Sie für sich in Anspruch nehmen, das ein Großteil der Gewinne für wohltätige Zwecke eingesetzt wird - das verschafft der Marke ein positives Image. Wie sind die Reaktionen von Mitbewerbern auf diesen "unschlagbaren" Vorteil?

Bilgri: Ein gesundes Konkurrenzdenken schadet weder uns noch unseren Mitbewerbern. Sicherlich ist es ein Vorteil für das Image unseres Klosters, dass wir ein anderes Unternehmensziel bieten können als die stetige Steigerung des Unternehmenswertes. Das Ziel unserer Abtei, die seelsorgliche, soziale und karitative Arbeit - beispielsweise das neu entstandene Sozialhaus mit der umfangreichen Obdachlosenarbeit - zu finanzieren, unterscheidet uns von vielen Mitbewerbern. Jedoch halte ich die Ausrichtung der Wirtschaftsbetriebe am Heiligen Berg nicht für unschlagbar, wohl aber als eine Anstiftung zur Nachahmung. Jedes Unternehmen kann ein schärferes Profil gewinnen, wenn es nicht nur von seinen Mitarbeitern soziale Kompetenz einfordert, sondern auch gesellschaftliche verantwortlich handelt.

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