Freitag, 16. November 2018

Flender Werft 800 Mitarbeiter fürchten das Aus

Die Lübecker Werft ist insolvent - Schleswig-Holstein bangt um Bürgschaften in Millionenhöhe.

Die Flender Werft in Lübeck

Lübeck/Kiel - Die Lübecker Flender Werft hat Insolvenz beantragt. Das gab der Vorstand des Lübecker Traditionsunternehmens bekannt. Der entsprechende Antrag ging am Montag um 13 Uhr beim Lübecker Amtsgericht ein. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Walter Peters bestimmt.

Gemeinsam mit Insolvenzverwalter Peters, wolle man jetzt ein Sanierungskonzept entwickeln, teilte der Flender-Vorstand mit. Vorrangiges Ziel sei es zunächst, die Geschäfte aufrecht zu erhalten und bestehende Aufträge abzuwickeln.

Die Ursache für die Insolvenz der 1917 gegründeten Werft sollen hohe Verluste beim Bau von zwei "Superfast-Fähren" für die griechische Reederei Attica Enterprises sein. Beide Schiffe - die ersten Fährschiffsneubauten nach fast 20 Jahren bei Flender - konnten nicht vertragsgerecht fertig gestellt werden. Der Verlust bei Flender soll sich laut Mitgesellschafter Claus-Peter Offen, einem Hamburger Reeder, auf rund 100 Millionen Euro belaufen.

"Intensiv um die Rettung der Werft bemüht"

Bereits vor einem Monat hatte der Flender-Vorstand die Entlassung von 150 der rund 800 Mitarbeiter angekündigt. Doch nicht nur die Beschäftigten der Traditionswerft sind betroffen, sondern auch der Landeshaushalt in Kiel. Das Land hatte dem Unternehmen Bürgschaften in nicht genannter Millionenhöhe gewährt.

"Wir haben uns in den vergangenen Wochen intensiv um die Rettung der Werft bemüht. Leider konnte das Unternehmen die Voraussetzungen dafür nicht schaffen", erklärte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Rohwer gegenüber der Tageszeitung "Die Welt".

Das Insolvenzverfahren müsse als Chance für eine tragfähige Anschlusslösung genutzt werden, damit möglichst viele Arbeitsplätze erhalten blieben, sagte Rohwer weiter.

Ministerpräsidentin Heide Simonis, die zurzeit auf einer Dienstreise in Kaliningrad weilt, bestätigte ebenfalls, dass Flender Landesbürgschaften in Anspruch genommen hat. Simonis macht vor allem die Unternehmensleitung für die Schieflage verantwortlich. "Bei Flender müssen offensichtlich die Arbeitnehmer für Fehler der Geschäftsleitung büßen", sagte Simonis den "Lübecker Nachrichten" (LN).

"Schon HDW ist an den Schiffen gescheitert"

Der Bezirksvorsitzende der IG Metall, Thomas Rickers, sagte, Betriebsrat und Belegschaft seien durch die Entwicklung überrollt worden. "Das Unternehmen braucht jetzt mehr denn je ein kompetentes Management, das bisherige habe sich disqualifiziert", sagte Rickers.

Schon bei der Ankündigung der Entlassungen vor wenigen Wochen hatte Rickens die Ablösung des Flender-Chefs Dirk Rathjens gefordert. "Der Vorstand hat die Komplexität dieser Neubauten offenbar vollkommen unterschätzt. Jeder an der Küste hat gewusst, dass das eine Riesenaufgabe werden wird, die Schiffe zu bauen, an denen HDW gescheitert ist", sagte Rickers Anfang Mai.

Rathjens, der nach seiner Entlassung bei HDW erst im November 2000 zu Flender gekommen war, hatte schon im August des vergangenen Jahres das Schreckensgespenst Insolvenz an die wand gemalt. "Uns fehlen jetzt 20 Millionen Mark", kritisierte Rathjens die "einseitig zusammengestrichenen Wettbewerbshilfen" und sprach vom drohenden "Exodus".

Zwangsoptimismus beim Betriebsrat

Ganz so überraschend kam die Entwicklung aber wohl doch nicht. Aus Unternehmenskreisen war schon vor Monaten zu hören, dass jeder Tag Verzögerung bei der Auslieferung der "Superfast-Fähren" die Werft an der Trave in große Schwierigkeiten bringen könnte.

Der Flender-Betriebsrat versucht unterdessen, Optimismus zu verbreiten. "Wir schaffen das. Wir müssen jetzt nach vorne gucken", zitieren die LN den Betriebsratschef Dieter Schumacher.

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