Freitag, 16. November 2018

Thomas Cook Condor fliegt nicht mehr

Europas zweitgrößter Reisekonzern setzt verstärkt auf die Marke - nur nicht auf die der Condor.

Condor wird vom Markt verschwinden

Mainz - "Powered by Condor" in kleinem Schriftzug, das wird der Überrest des stilisierten Kranich-Logos auf dem Leitwerk der Condor-Flieger sein. Bereits ab Juni wird das Zeichen der Mutter-Gesellschaft Thomas Cook das Logo auf der Heckflosse der Condor-Maschinen ablösen.

Der zweitgrößte Tourismuskonzern Europas, eine gemeinsame Tochter von Lufthansa Börsen-Chart zeigen und KarstadtQuelle Börsen-Chart zeigen, wird den Namen Condor und weitere Marken aufgeben und will mit einem neuen Markenkonzept durchstarten. Der Konzern plant seinen Namen künftig auch als nationale und internationale Veranstaltermarke einsetzen.

Thomas Cook wird zur Dachmarke

Die Marke Thomas Cook - bisher lediglich im Vertriebs- und Servicebereich genutzt - soll nun auf allen Ebenen und Märkten der Tourismusbranche eingesetzt werden, teilte der Touristikkonzern am Montag in Mainz mit. Das oberste Ziel sei, die Rendite zu steigern. Dies will der Konzern durch bessere Markenkommunikation, höhere Umsätze in renditestarken Marktsegmenten und eine bessere Kapazitätsauslastung erreicht, hieß es weiter.

Zudem soll die Marke als "Hebel" zur weiteren internationalen Expansion dienen. Die Reiseveranstalter Terramar und Kreutzer Touristik sollen unter dem Brand Thomas Cook im gehobenen Kundensegment positioniert werden. Dagegen blieben die Volumen-Marken Neckermann Reisen, Air Marin, Bucher Reisen und Aldiana bestehen. Auch die konzerneigenen Reisebüros und Hotels sollen künftig unter der Dachmarke Thomas Cook laufen. Bis 2003 will der Konzern die Markenstrategie in Deutschland umgesetzt haben.

Flexibilität durch einheitliches Branding

Thomas Cook setzt auf neue Markenstruktur
Im Zuge der Konsolidierungswelle im Billigflugsegment, wappnet sich Thomas Cook zudem im Kampf um die Marktanteile. Der Name des Ferienfliegers Sun Express und des britischen JMC Airlines werde zu Gunsten der Marke Thomas Cook ebenfalls vollständig vom Markt verschwinden.

Von dem einheitlichen Branding verspricht sich Thomas Cook, die Flugzeuge innerhalb der Europäischen Union flexibler einsetzten zu können, meldet die "Süddeutsche Zeitung" mit Berufung auf Kreise des Aufsichtsrats. Auf diesem Wege könnte der Tourismuskonzern stringente Tarifstrukturen vor allem bei den deutschen Piloten langfristig aushebeln, indem man Kapazitäten verlagere.

An Verlust der Mutter Schuld

Mit dem neuen Konzept dürfte Thomas Cook auf das schlechte Ergebnis des ersten Quartals reagieren. KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban sagte, die gegenwärtige Flaute biete große Chancen, um dringend nötige Maßnahmen umzusetzten und festgefahrene Strukturen zu verändern.

Die hohen Verluste des Touristikkonzerns trieben die Mutter KarstadtQuelle tief in die roten Zahlen. Bei schwacher Konjunkturentwicklung und rückläufigen Umsätzen der Tourismusbranche steigerte KarstadtQuelle den Verlust auf 120 Millionen Euro. Im Vorjahr betrug der Fehlbetrag lediglich 80 Millionen Euro.

Konkrete Prognosen für das Gesamtjahr 2002 wollte Konzern-Chef Urban noch nicht treffen. Dies sei in Anbetracht der unklaren wirtschaftlichen Lage nicht seriös, so Urban.

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