Samstag, 27. August 2016

Dresdner Bank "Wir zehren von der Substanz"

In einer internen Mail an seine Mitarbeiter fordert Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz einen langen Atem. Vor allem das Kreditgeschäft macht Sorgen.

  Henning-Schulte Noelle(l.) und Bernd Fahrholz:  Vertrauen auf die große Mutter Allianz
DPA
Henning-Schulte Noelle(l.) und Bernd Fahrholz: Vertrauen auf die große Mutter Allianz

Hamburg/Frankfurt - Galt es im vergangenen Jahr auf der Hauptversammlung (HV) der Dresdner Bank noch, die Kleinaktionäre davon zu überzeugen, ihre Dreba-Papiere gegen Allianz-Aktien Börsen-Chart zeigen zu tauschen, muss sich Bernd Fahrholz jetzt vor allem um seine Mitarbeiter kümmern.

In einer E-Mail "An alle Kolleginnen und Kollegen", die manager-magazin.de im Original vorliegt, fordert Fahrholz die Mitarbeiter auf, den Blick nach vorne zu richten und nur mit "wenig Wehmut" auf die vergangenen 130 eigenständigen Jahre der Dresdner Bank zurückzublicken.

Während Fahrholz in seiner offiziellen HV-Rede neben den "schlechten Zahlen des Geschäftsjahres 2001" auch von "Neugier und Tatendrang" sowie der Chance "die Zukunft der gesamten Finanzbranche mitzugestalten" spricht, wird er in der Mitarbeiter-Mail deutlicher. "Wir zehren von unserer Substanz", schreibt Fahrholz. "Dass die Lage ernst ist, zeigt spätestens unser jüngster Quartalsbericht", so seine nichts beschönigende Analyse.

Sensible Bankerseelen

Ein wichtiger Punkt in der Fahrholz-Mail sind die Probleme im Kreditgeschäft. Während er in seiner Rede vor den Aktionären, lediglich die Verbesserung des Risikomanagement-Systems kurz streifte und in den Komplex Kostensenkung einbettete, spricht er gegenüber den Mitarbeitern von "Neugestaltung" des Kreditprozesses und "noch viel Arbeit".

Dass die Banker-Seele im Hochhaus am Frankfurter Jürgen-Ponto-Platz zurzeit sehr sensibel ist, zeigt Fahrholz' Schwerpunktsetzung in der internen Mail und der Pressemitteilung. In der offiziellen Verlautbarung ist der Zusammenschluss mit der Allianz das dominierende Thema, der Begriff "Allianz" kommt in sieben Absätzen achtmal vor. Mehr Sparsamkeit übt Fahrholz im Aufruf an die Mitarbeiter. Die Bilanz hier: Zweimal "Allianz" in acht Absätzen.

Gedenken an Jürgen Ponto

Mit einjähriger Verspätung holte der Dreba-Chef, der gleichzeitig Allianz-Vorstand ist, den historischen Rückblick nach, den viele schon 2001, auf der eigentlich letzten unabhängigen HV, erwartet hatten.

  Dresdner-Bank-Zentrale am Jürgen-Ponto-Platz:  "Diese Welt ist mit Trümmern übersät"
Arne Stuhr;mm.de
Dresdner-Bank-Zentrale am Jürgen-Ponto-Platz: "Diese Welt ist mit Trümmern übersät"
Er zitierte zum Auftakt seiner Rede aus einer Ansprache des vor 25 Jahren ermordeten damaligen Dresdner-Bank-Chefs Jürgen Ponto, die dieser 1972 zum 100-jährigen Bestehen der Dresdner Bank gehalten hatte. "Diese Welt ist mit Trümmern übersät worden, weil der Verstand nicht mehr zu Wort kam", versuchte Fahrholz den Bogen zu den Missständen der heutigen Zeit zu schlagen und an die Verantwortung für die Zukunft zu appellieren. Eine Zukunft, in der die Eigenständigkeit der Dresdner Bank aber der Vergangenheit angehört.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH