Freitag, 29. Juli 2016

Deutsche Bank Ackermanns Machtzentrum

Schon vor Josef Ackermanns offiziellem Amtsantritt als Konzernchef sorgte die neue Führungsstruktur der Deutschen Bank für Aufregung. manager-magazin.de zeigt, wie die künftige Leitungsebene des Frankfurter Finanzimperiums aussieht.

Machtwechsel: Ackermann greift durch

Frankfurt am Main - Für seinen neuen Job als Vorstandssprecher hat sich Josef Ackermann viel vorgenommen. Er will die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen wieder auf Profitabilität trimmen und zu altem Glanz führen (siehe: "Der neue Chef räumt auf").

Um sein Ziel zu erreichen, schreckt der gebürtige Schweizer auch vor ungewöhnlichen Schritten nicht zurück. Mit der Gründung eines sogenannten Group Executive Comittee, einem Organ, das so im deutschen Aktiengesetz nicht vorgesehen ist, entmachtet Ackermann praktisch den Vorstand und verlagert alle wichtigen Entscheidungen in ein Gremium, dem er praktischerweise selber weisungsbefugt ist.

Die neue Leitungsebene

Vorbei also die Primus-inter-Pares-Zeiten, als die Vorstands-Beschlüsse in den Zwillingstürmen an der Frankfurter Taunusanlage noch einstimmig gefasst wurden. Die verbliebenen Vorstände Clemens Börsig, Hermann-Josef Lamberti und Tessen von Heydebreck müssen sich künftig mit dem Innendienst zufrieden geben. Im neuen Machtzentrum haben sie zwar auch einen Platz, sind den Ackermann-Getreuen aber nicht nur zahlenmäßig unterlegen.

Die Investmentbanker Anshu Jain, Kevin Parker und Michael Cohrs, allesamt Schüler des verunglückten Investment-Großmeisters Edson Mitchell ("Ich bin Gott"), sowie die neuen starken Männer im Privatkunden- und Fondsgeschäft, Pierre de Weck und Tom Hughes, geben zusammen mit Ackermann den Ton an.

Verwirrung bei den Bankaufsehern

Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) hatte zuerst rechtliche Bedenken angemeldet. Gegenüber manager-magazin.de bestätigte ein BAKred-Sprecher einen SPIEGEL-Bericht, wonach das Aufsichtsamt wegen der politischen Dimension eines möglichen Verbots die Entscheidung an das Bundesfinanzministerium (BMF) weitergeschoben habe.

Die Berliner Behörde fühlt sich aber mitnichten zu einer Entscheidung in Sachen Deutsche Bank berufen. "Wir sind lediglich über das Prüfergebnis informiert worden", sagte ein BMF-Sprecher gegenüber manager-magazin.de. Für Fragen dieser Art sei das BAKred und nicht das Ministerium zuständig. Außerdem habe das BAKred in seinem Info-Schreiben bereits mitgeteilt, dass es gegen die neue Struktur der Deutschen Bank weder aktien- noch aufsichtsrechtliche Bedenken gebe - ein stiller Erfolg des stillen Schweizers.

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