Donnerstag, 15. November 2018

Brau und Brunnen Schlecht eingeschenkt

Der Konzern droht den Ertragsbringer zu verlieren.

Die Hauptaktionärin macht Druck: Brau-und-Brunnen-Chef Hollmann

Zu beneiden ist Michael Hollmann (44) nicht um seinen Job. Der Vorstandsvorsitzende der Brau und Brunnen AG Börsen-Chart zeigen hat in seinem ersten Amtsjahr vieles versucht, um den Dortmunder Getränkekonzern vor dem Aus zu retten.

Aber noch immer schreibt die Biersparte hohe Verluste. Und jetzt droht Hollmann auch noch der einzige Ertragsbringer des Konzerns abhanden zu kommen. Im Februar flatterte ihm eine Kündigung ins Haus - die des englischen Getränke- und Süßwarenriesen Cadbury Schweppes Börsen-Chart zeigen.

Mit den Briten betreiben die Dortmunder seit elf Jahren ein Joint Venture, die Hamburger Apollinaris & Schweppes GmbH. Die Firma verkauft Apollinaris-Wasser und die Bitterlimonaden von Schweppes.

Nun wollen sich die Engländer vom deutschen Partner lösen. Unangenehm für Hollmann. Denn vom bislang kräftig sprudelnden Gewinn der Tochter profitieren die Dortmunder überproportional; die Engländer halten nur 28 Prozent des Kapitals, die Deutschen 72 Prozent.

Zu dem Gewinn, den Brau und Brunnen mit Erfrischungsgetränken erzielt, zuletzt 20 Millionen Euro, trug das Joint Venture den größten Teil bei. So konnte der Konzern die Verluste im Biergeschäft (unter anderem "Jever", "Schlösser Alt") zumindest teilweise ausgleichen.

Auf die Hamburger Unterstützungskasse wird Brau und Brunnen möglicherweise bald verzichten müssen. Die Briten haben gekündigt, weil sie mit ihren Marken (Schweppes, Orangina, 7up) auf eigene Rechnung in Deutschland expandieren wollen.

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Cadbury Schweppes besitzt ein Vorkaufsrecht für den Mehrheitsanteil.

Hollmann wird ein gutes Angebot - sagen wir: 140 Millionen Euro oder mehr - kaum ablehnen können. Seine Hauptaktionärin, die HypoVereinsbank, macht ihm mächtig Druck. Die Banker wollen Geld sehen, nachdem sie im Dezember nochmals 15 Millionen Euro nachgeschossen haben.

Doch selbst wenn Brau und Brunnen die Beteiligung behielte, könnte Hollmann demnächst nicht mehr mit fetten Überweisungen aus Hamburg rechnen. Apollinaris muss dringend investieren, in Abfüllanlagen für Kunststoffflaschen (PET). Bislang wurde die Investition verschleppt. Folge: Apollinaris verlor kräftig Marktanteile an die PET-starke Konkurrenz.

So oder so schlecht für Hollmann - wenn Apollinaris nicht mehr für Brau und Brunnen sprudelt, könnte dies die Talfahrt des Konzerns beschleunigen.

Denn mit Bier wird er 2002 und wohl auch im folgenden Geschäftsjahr kein Geld verdienen.

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