Dienstag, 20. November 2018

Bankgesellschaft Berlin Die Spielbank

Die Bundeshauptstadt muss die größte Bankenschieflage in der deutschen Nachkriegsgeschichte verkraften. Wer waren die Verantwortlichen bei dem Desaster, Politiker oder Manager? Die Anatomie einer Milliardenpleite.

Berliner Bankenskandal: Eine Geschichte von Tricksern und Täuschern, Schuften und Scheinheiligen

Die Bank hat viele Löcher - 36 davon befinden sich in den sanften Hügeln der märkischen Schweiz. Im feinen Golfklub Schloss Wilkendorf, rund 50 Kilometer östlich der Hauptstadt, bietet die Bankgesellschaft Berlin auf der vom ehemaligen schottischen Weltklassespieler Sandy Lyle entworfenen Anlage sportliches Amüsement auf höchstem Niveau - auch für ihre Vorstände, die dort kostenlos spielen dürfen.

Ansonsten aber ist Schluss mit Luxus beim maroden Berliner Bankkonzern. Seit der neue Vorstandschef Hans-Jörg Vetter (49) im vergangenen November zur Sanierung angetreten ist, wird am Berliner Alexanderplatz, dem Sitz des Geldhauses, rigoros gespart.

Sponsoring-Verträge mit dem Fußballbundesligisten Hertha BSC und für die internationalen deutschen Meisterschaften im Damentennis hat Vetter kurzerhand gekündigt.

Neue Dienstwagen gibt es bis auf weiteres nicht mehr, ebenso wenig persönliche Assistenten für die Führungscrew. Das in der ehemaligen französischen Botschaft Unter den Linden geplante und knapp 200 Millionen Euro teure neue Vorstandsdomizil - gestrichen. Vorbei die Zeit, da sich die Bundeshauptstadt in Großbankallüren erging.

Ein Jahrzehnt lang hatten geltungssüchtige Politiker und ehrgeizige Banker versucht, in Berlin einen Finanzkonzern von internationalem Rang zu formen. Das Ergebnis: die größte Bankenschieflage in der Geschichte der Bundesrepublik. Rund sechs Milliarden Euro Schaden durch faule Kredite stehen zu Buche. Hinzu kommen unabsehbare weitere Milliardenrisiken aus Immobilienfondsgeschäften. Obendrein wurden - trotz einer massiven Kapitalerhöhung im vergangenen Jahr - bis heute rund drei Milliarden Euro Börsenwert vernichtet. Nur weil das Land Berlin zuletzt Milliardenhilfen aus der Staatskasse gewährte, ist das Kreditinstitut überhaupt noch am Leben.

Bis zu dieser Rettungsaktion hatten sich die Berliner Politik und die übrigen Großaktionäre nur dann um den Finanzkonzern gekümmert, wenn es darum ging, die Bank für ihre eigenen Zwecke zu nutzen.

Untätige Aufsichtsräte und willfährige Wirtschaftsprüfer ließen zu, dass in dem Geldhaus über Jahre allein das Prinzip Hoffnung regierte. Um den Marktanteil zu steigern, hatten sich die Manager auf extrem risikoreiche Geschäfte eingelassen.

Der Berliner Bankenskandal ist eine Geschichte von Tricksern und Täuschern, Schuften und Scheinheiligen. Die Affäre um die Beinahepleite ist längst noch nicht vollständig aufgeklärt. Fintenreich schieben sich die Akteure gegenseitig die Schuld zu. Und eine offenbar überforderte Staatsanwaltschaft versinkt in einem Berg von Akten, ermittelt gegen 130 Personen - vorwiegend wegen des Verdachts der Untreue.

Ein mm-Team hat die Hintergründe recherchiert und benennt die Verantwortlichen.

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