Montag, 16. Juli 2018

Bankgesellschaft Berlin Die Spielbank

7. Teil: Epilog

Epilog

Fünfzehn Monate nach Ausbruch der Berliner Bankenkrise ist die Zukunft des Geldhauses noch nicht absehbar. Klar ist lediglich: In dem Bankendrama gibt es bis zum heutigen Tag - abgesehen von den unzähligen Beratern, die 2001 rund 70 Millionen Euro von der Bank kassierten - nur Verlierer: die Mitarbeiter; die Aktionäre; das Land, das mit einer Kapitalspritze in Höhe von 1,75 Milliarden Euro und der Übernahme von Milliardenrisiken an den Rand seiner Leistungsfähigkeit gedrängt ist; und nicht zuletzt die Berliner Bevölkerung, die für die finanziellen Folgen des Desasters aufkommen muss.

Hoffnungswerte: Vetters Sanierungsplan verspricht den Turnaround
Einer indes hofft auf bessere Zeiten: Rupf-Nachfolger Vetter. Der Banker hat mit Boston Consulting ein Sanierungskonzept erarbeitet. Die Kernpunkte: Gesundschrumpfen zu einer Regionalbank mit Kernkompetenz im Geschäft mit den Kleinkunden; geordneter Rückzug im Großkundengeschäft und Straffung der Immobilienfinanzierung; Verkauf von Töchtern im In- und Ausland; Streichung von 4000 Arbeitsplätzen; Verbesserung des Betriebsergebnisses nach Vorsorge um gut 800 Millionen Euro bis 2005. Mit dem früheren Deutsche-Bank-Vorstand Michael Endres will Vetter zudem mehr Fachkompetenz in den Aufsichtsrat holen.

Hochrangige Berliner Banker indes hegen Zweifel an Vetters Konzept: Die Ausgangslage der Bank sei geschönt, der für die nächsten Jahre prognostizierte Wertberichtigungsbedarf viel zu niedrig angesetzt und die Strategie fragwürdig. Ein realistischer Ergebnisausweis für 2001, meinen die internen Kritiker, hätte ein Defizit von drei Milliarden Euro zeigen müssen; Vetter dagegen hat ein ausgeglichenes Ergebnis angekündigt.

Zudem wird hinter vorgehaltener Hand moniert, die EU-Kommission, die die Berliner Beihilfen für die Bankgesellschaft prüft, sei nicht richtig informiert worden. In Wirklichkeit seien die staatlichen Subventionen für das Geldhaus viel höher als bei der EU angemeldet.

  Erwartet verbindliche Angebote:  Berlins Finanzsenator Sarrazin
DPA
Erwartet verbindliche Angebote: Berlins Finanzsenator Sarrazin
Womöglich wird der amtierende Chef nie beweisen müssen, ob sein Plan wirklich trägt. Viele in der Berliner Politik wollen das marode Institut möglichst schnell loswerden. Gelingt der Verkauf, hängt es vom neuen Besitzer ab, ob das amtierende Management weitermachen darf oder nicht.

Das sieche Geldhaus - weit gehend befreit von Altlasten -ist ein durchaus attraktives Übernahmeziel. Nirgendwo sonst in Deutschland steht ein Bankkonzern mit rund zweieinhalb Millionen Kunden und regionalen Marktanteilen von etwa 50 Prozent zum Verkauf.

Noch in diesem Monat wird der Datenraum der Bank den Interessenten für eine Unternehmensprüfung (Due Diligence) geöffnet. Verbindliche Angebote will Finanzsenator Sarrazin bis zum 19. April auf dem Tisch haben. Im Mai oder Juni, sagen Insider, werde Berlin dann über einen Verkauf entscheiden.

Dem Konsortium um Bodins NordLB und die Hamburger Sparkasse werden kaum noch Chancen eingeräumt - zumal viele in der Branche bezweifeln, dass die Partner noch an einem Strang ziehen.

  Prominenter Flowers-Berater:  Ex-Buba-Chef Pöhl
AP
Prominenter Flowers-Berater: Ex-Buba-Chef Pöhl
Zwei Investoren aus den USA, der Ex-Goldman-Sachs-Investmentbanker J. Christopher Flowers und die Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific Group, werden das Rennen möglicherweise unter sich ausmachen. Die US-Investoren versuchen schon seit Monaten, durch professionelles Lobbying den Heimvorteil der möglichen deutschen Konkurrenz wettzumachen - und haben sich für den Job prominente Berater eingekauft.

Bei den Verhandlungen mit der Berliner Politik wird Texas Pacific von Theo Waigel (62), dem ehemaligen Bundesfinanzminister, unterstützt.

Flowers wiederum sicherte sich die Dienste von Ex-Bundesbankchef Karl Otto Pöhl (72) und lässt sich von Ex-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff (75) beraten.

Ein letztes Stückchen Glamour, bevor die Bank im tristen Alltag der armen Hauptstadt versinken wird.


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