Donnerstag, 26. April 2018

Bankgesellschaft Berlin Die Spielbank

6. Teil: Die Aufsichtsräte

Die Aufsichtsräte

Unwissenheit allerorten, auch im Aufsichtsrat. Kann man es der Verlegerwitwe Friede Springer, die dem Kontrollgremium der Bankgesellschaft mehrere Jahre angehört, übel nehmen, dass sie vom Derivategeschäft, den Methoden der Immobilienbewertung und dem Risikomanagement einer Bank wenig versteht? Wohl kaum. Als Aufsichtsrätin darf man von ihr aber zumindest erwarten, dass sie bohrende Fragen stellt.

In öffentlicher Hand: Aktionäre der Berliner Bankgesellschaft (Anteile in Prozent)
Doch das tun im Fall des Berliner Geldhauses nur wenige aus der Schar der Aufseher. Die Mehrheit hat sich dagegen so verhalten wie die vom Land Berlin entsandten Vertreter.

Ex-Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner etwa. Der ansonsten forsche Politiker versinkt üblicherweise während der Aufsichtsratstreffen in irgendwelchen Akten, zückt im Verlauf der Sitzungen dann eine Notiz, die er dem Gremium vorliest.

So gut wie nie mögen er und seine Kollegen Senatoren vom Anfang bis zum Ende einer Aufsichtsratssitzung ausharren. Schließlich gilt es, auch andernorts zu regieren.

So fällt der Runde nicht auf, dass der Finanzkonzern ein geballtes Risiko im ostdeutschen Immobilienmarkt aufgebaut hat; auch nicht, dass die Teilbanken ein gefährliches Eigenleben geführt haben.

"Die Bank ist vollkommen frei geschwommen", bemängelt ein ehemaliger Aufseher heute.

Daran ändert auch Manfred Bodin (62) nichts, der Chef der NordLB und der einzige Bankmanager im Aufsichtsrat. Von den Berliner Immobilienproblemen hätte er eigentlich frühzeitig Kenntnis haben müssen. Schließlich hatte Bodin 1998 seine NordLB mit dem Berliner Bankenkonzern fusionieren wollen. Bei der Unternehmensbewertung der IBG drangen seine Prüfer nicht richtig durch. Bodin wurde der Deal zu heiß, er machte einen Rückzieher.

Im Jahr darauf nimmt der Mann aus Hannover im Aufsichtsrat der Bankgesellschaft Platz. Doch er nutzt sein Wissen nicht und lässt die Bankspitze weiterwursteln wie zuvor. War es bloße Nachlässigkeit? Oder hielt er sich aus strategischem Kalkül zurück, um die Bank nach einem Crash umso günstiger einzusacken? Sicher ist bislang nur: Bodin schadet letztendlich seiner eigenen Bank. 2001 muss die NordLB 500 Millionen Euro auf ihr Berlin-Engagement abschreiben - deutlich mehr, als sie in den letzten drei Jahren insgesamt verdient hat.

Kritik ist im Kreise der Aufseher aber ohnehin nicht gefragt. Und deutet sie sich doch einmal an, wird sie schnell unterdrückt. Etwa Ende 2000, als es um die Verlängerung des Vertrags von Wolfgang Rupf geht.

Mehrere Kontrolleure befürworten einen Wechsel an der Spitze der Bankgesellschaft. Doch Konzernaufsichtsratschef Dieter Feddersen (66), ein in Bankdingen wenig erfahrener Frankfurter Anwalt, will weiteres öffentliches Aufsehen vermeiden.

  Rupfs Vertrag wird im Dezember 2000 um fünf Jahre verlängert:  Einige Aufsichtsräte haben Bedenken, dennoch setzt Oberkontrolleur Feddersen (im Bild) den Beschluss durch
José Giribas
Rupfs Vertrag wird im Dezember 2000 um fünf Jahre verlängert: Einige Aufsichtsräte haben Bedenken, dennoch setzt Oberkontrolleur Feddersen (im Bild) den Beschluss durch
Kurzerhand schafft Feddersen im Präsidium Tatsachen und setzt die Abstimmung im Plenum für einen der darauf folgenden Tage fest. So bleibt nicht genügend Zeit, eine personelle Alternative aufzubauen. Am Ende wird Rupfs Vertrag mit nur einer Gegenstimme um fünf Jahre verlängert.

Das damalige Abstimmungsergebnis sichert Rupf heute, vier Monate nach seinem Rückzug aus der Bank, ein schönes Auskommen.

Die aus dem Saarland entliehene Interimsfinanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD) ist offenbar die einzige Politikerin und Bankkontrolleurin, der etwas am Geschick des Finanzkonzerns liegt. Unmittelbar nach ihrem Amtsantritt macht sie sich auf die Suche nach einem Rupf-Nachfolger und stößt auf Hans-Jörg Vetter.

Der Immobilienfachmann erscheint ihr für den Posten des Vorstandschefs wegen seiner Ruppigkeit zunächst nicht geeignet. Zwei weitere hochkarätige Kandidaten bieten sich an. Der eine verlangt sechs, der andere - angeblich handelt es sich um den kürzlich zurückgetretenen Deutsche-Bank-Vorstand Thomas Fischer - gar acht Millionen Mark Jahresgage. Zu viel für eine so gebeutelte Bank, meint die Senatorin. So greift sie schließlich doch auf Vetter zurück.

Mit ihm beginnt eine neue Ära bei der Bankgesellschaft Berlin. Vorbei die Zeiten, da Politiker und Banker das Kreditinstitut für ihre eigenen Zwecke ausbeuten können. Bei der Bank ist nichts mehr zu holen.

© manager magazin 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH