Montag, 16. Juli 2018

Bankgesellschaft Berlin Die Spielbank

5. Teil: Wahre Trickser

Wahre Trickser

Der Blutrausch der Berliner scheint vorerst gestillt. Insgesamt kostet die Affäre um die Bankgesellschaft zehn Vorstände ihre Jobs. Einige von ihnen werden geschasst, weil sie an verunglückten IBG-Fonds beteiligt sind, die später von der Bank zurückgekauft werden.

  Dubiose Praktiken:  Ulf-Wilhelm Decken, geschasster Vorsteher der Landesbank Berlin
Dubiose Praktiken: Ulf-Wilhelm Decken, geschasster Vorsteher der Landesbank Berlin
Bei Ulf-Wilhelm Decken kommt ein weiterer Grund hinzu. Wenn es darum geht, seine Landesbank vor Gefahren zu bewahren, schreckt der Mann auch vor dubiosen Methoden nicht zurück.

Gern hat seine Landesbank der Konzerntochter IBG Kredite für den Ankauf von Fondsimmobilien gewährt. Diese sind so großzügig bemessen, dass die Höchstgrenzen des Kreditwesengesetzes (KWG) erreicht werden.

Um die Gesellschaft trotzdem weiter finanzieren zu können, schickt die Bank Strohmänner als persönlich haftende Komplementäre vor, zumeist einfache Mitarbeiter. Sie stehen an Stelle der IBG für Kredite von bis zu 350 Millionen Euro gerade - aber nur auf dem Papier. In Wirklichkeit stellt die Bank sie heimlich von der Haftung frei - ein Verstoß gegen die KWG-Vorschriften.

Rupf weiß, wie immer, von nichts. Noch im Februar 2001 streitet er die Existenz solcher Freistellungserklärungen ab. Doch vier Wochen später tauchen drei Freibriefe auf. Zumindest einen von ihnen hat offenbar Ulf-Wilhelm Decken unterschrieben.

Als der gehen muss, gibt er gegenüber dem Aufsichtsrat eine Erklärung ab, die die Zustände gut beleuchtet. Seine Arbeitsweise soll er lapidar mit den Worten verteidigt haben: "Ich kann doch nicht alles genau lesen, was ich unterschreibe."

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