Montag, 23. Juli 2018

Bankgesellschaft Berlin Die Spielbank

4. Teil: Mitläufer

Nun kommt bei dem sonst so seriös wirkenden Rupf der Finanzalchimist zum Vorschein. Zusammen mit Chefcontroller Norbert Pawlowski (51) und den Investmentbankern von J. P. Morgan entwickelt er die vermeintlich rettende Idee: Der profitable Teil der IBG soll ausgegründet und verkauft werden. Mit dem Erlös wollen die Manager das Loch stopfen. Die im Konzern bleibenden Altrisiken sollen - wie zuvor die Kreditprobleme der Berliner Bank - über die Jahre verteilt weggedrückt werden.

Selbstdarsteller: Mit einer Imagebroschüre feiert Konzerncontroller Pawlowski seinen Aufstieg
Ein schöner Plan. Die Umsetzung indes gerät zum Fiasko. Zunächst werden die ausgegliederten Aktivitäten planmäßig an den Greico-Trust im Geldwäscheparadies Cayman Islands verkauft. Die vorgesehene Weiterplatzierung an ausländische Investoren aber misslingt mangels Interesse gründlich. Der Deal entpuppt sich somit als In-sich-Geschäft, denn die Bankgesellschaft hatte den Verkauf an Greico mit eigenen Krediten finanziert. Die Transaktion muss rückgängig gemacht werden - mit fatalen Folgen für den Abschluss 2000.

Damit nicht genug: In den ersten Monaten 2001 tauchen fast täglich neue Kreditrisiken bei den Teilbanken auf, vor allem durch Sonderprüfungen des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen (siehe mm 5/2001: "Bankgesellschaft Berlin - Warum Chef Rupf keine Chance mehr hat"). Dabei fällt auch ein zweifelhaftes 300-Millionen-Euro Engagement von Landowskys Berlin Hyp bei der Immobilienfirma Aubis auf, die seinen Parteifreunden Wienhold und Neuling gehört. Landowsky gerät ins Zwielicht und tritt zurück; die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Manch einer glaubt angesichts der geballten Enthüllungen an eine Intrige. Rupf ein ahnungsloses Opfer?

Im Sommer 2001 ist Rupf am Ende. Gescheitert an den Berliner Verhältnissen und an sich selbst. Ein Kollege: "Er war zum Schluss der einsamste Mann in der Bank."

Mitläufer

Der 28. März 2001 ist für Norbert Pawlowski ein großer Tag. Der Aufsichtsrat der Landesbank bestellt ihn zum Chef des Instituts. Seine Freude will der Banker, der 1998 in den Vorstand der Konzernmutter eingezogen war, sogleich mit allen Mitarbeitern des Kreditinstituts teilen.

"Wir nehmen die Herausforderung an": Ausriss aus Pawlowskis Imagebroschüre
Kaum zur Nummer eins der Landesbank gekürt, lässt er eine vierseitige Imagebroschüre per Eilboten an alle Filialen ausliefern. Die Botschaft: "Ich bleibe in dieser Stadt und werde für diese Bank kämpfen." Außerdem erfährt die Belegschaft: "Bei uns ist immer was los" - womit Pawlowski nicht die Bank meint, sondern sein Zuhause mit Hund und fünf Kindern. Immerhin verkündet er den Mitarbeitern auch, was für die Landesbank jetzt am wichtigsten wäre: "konsequentes und rigoroses Risikomanagement". Aufräumen, was andere vorher angerichtet haben.

Ob er selbst als Controller des Konzerns genug für eine Risikobegrenzung getan hat, darüber gehen die Meinungen auseinander. Wohlwollende Weggefährten verweisen darauf, dass Pawlowski fast bei null habe anfangen müssen und in wichtigen Bereichen des Risikomanagements durchaus vorangekommen sei.

Trotzdem attestiert die Bankenaufsicht noch Ende 2001 "erhebliche strukturelle Mängel" und "ein derzeit nicht funktionsfähiges teilbankenübergreifendes Risikomanagement". Vorstandskollegen lästern, Pawlowski habe "nie eine richtige Zahl geliefert" und die Fondsrisiken schlichtweg ignoriert.

Gleichwohl übersteht er die Krise bislang unbeschadet. "Der Vorstand ist im Augenblick aus meiner Sicht gut aufgestellt", gibt Berlins neuer Finanzsenator Thilo Sarrazin im Februar 2002 zu Protokoll.

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