Donnerstag, 19. Oktober 2017

Bankgesellschaft Berlin Die Spielbank

2. Teil: Die Politiker

Die Politiker

Berlin in der Nachwendezeit: Die alte Westberliner Elite ist im Einheitstaumel. Politiker und Wirtschaftsführer träumen von einer prosperierenden Weltmetropole, von neuen Märkten im Osten, von boomenden Immobilien- und Kreditgeschäften.

  Freund und Helfer:  Berlins ehemaliger Regierungschef Diepgen (l.) und der seinerzeitige Daimler-Chef Reuter formen 1994 mit tatkräftiger Unterstützung der SPD ein heikles Konstrukt
José Giribas
Freund und Helfer: Berlins ehemaliger Regierungschef Diepgen (l.) und der seinerzeitige Daimler-Chef Reuter formen 1994 mit tatkräftiger Unterstützung der SPD ein heikles Konstrukt
Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (60, CDU) und sein mächtiger Parteifreund Klaus Landowsky (59) formen 1994 mit tatkräftiger Unterstützung der SPD und des Berliner Hoffnungsträgers und damaligen Daimler-Chefs Edzard Reuter die Bankgesellschaft Berlin - einen Zwitter aus der properen öffentlich-rechtlichen Landesbank mit ihrer Sparkasse und der kränkelnden Berliner Bank. Als Beigabe kommt die landeseigene Berlin Hyp dazu.

Das heikle Konstrukt erweist sich in den Folgejahren als schwere Bürde. Die neuen Partner trauen sich gegenseitig nicht über den Weg. Die fusionierten Regionalbanken sind zu schwach, um die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen zu können.

Einer, der das Gebilde aus langjähriger Erfahrung kennt, feixt: "Da hat der Sohn des Metzgers die Tochter des Bäckers geheiratet. Und bei der Hochzeit haben sie mit den Worten aufeinander angestoßen: 'Jetzt haben wir eine Lebensmittelindustrie-Dynastie gegründet.'"

Wo derart geprahlt wird, will die Politik dabei sein; das Land Berlin behält die Aktienmehrheit an dem Geldhaus. Schließlich schüttet die Bank über Jahre hinweg satte Dividenden in die chronisch leere Landeskasse aus.

Die Überweisungen sind das Einzige, was die Politiker neben Unterstützung bei Infrastrukturprojekten an der Bank interessiert. Selbst als das Kreditinstitut Anfang 2001 zunehmend in Probleme gerät, geht der damalige Finanzsenator Peter Kurth (CDU) zunächst noch von einer Gewinnausschüttung aus.

Bis dahin war die Dividende nur ein einziges Mal (1998) ausgefallen. Dabei hätte der seit 1997 amtierende Vorstandschef Wolfgang Rupf (59) die Ausschüttungen eigentlich schon längst ganz einstellen müssen. 1999 etwa drängen ihn einige Aufsichtsräte zu diesem Schritt. Doch im Gespräch mit Diepgen knickt Rupf ein.

Auch bei anderen Gelegenheiten folgt der Vorstandschef den fragwürdigen Wünschen der Politik. Zum Beispiel beim Bau einer Formel-1-Rennstrecke im östlichsten Teil Deutschlands. Als 1998 der vorgesehene Betreiber des Motodroms in der Lausitz abspringt, übernimmt die Bankgesellschaft zusätzlich zur Finanzierung auch Planung, Bau und Betrieb des Prestigeprojekts.

Die Rennbahn kommt das Geldhaus teuer zu stehen: Es investiert rund 100 Millionen Euro und sitzt am Ende auf einem defizitären Motorsportareal, das, wenn überhaupt, nur mit hohem Verlust zu verkaufen ist.

Fiasko hin oder her: Bei solchen von der Politik gern gesehenen Engagements ist meist auch Klaus Landowsky mit von der Partie.

Strippenzieher: Polit-Banker Landowsky
Der langjährige Vorsitzende der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus weiß wie kein anderer die Bank für Parteiinteressen zu nutzen. Zunächst zieht Landowsky als Vorstand der Bankgesellschaft die Fäden. Später, als die Verquickung von politischem Amt und Vorstandsposten öffentlichen Unmut erregt, schottet er die Berlin Hyp als deren Vorstandschef gegen den Restkonzern ab.

Niemandem gewährt er vollständigen Einblick in seine Geschäfte. Nicht einmal Holdingchef Rupf, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Berlin Hyp ist. Rupfs interne Revision lässt der Polit-Banker an der Pforte der Berlin Hyp abblitzen. Der Aufsichtsratschef nimmt es hin.

Anderen aber ist "Lando", wie ihn seine Freunde nennen, gern behilflich. Offenbar vor allem dann, wenn es darum geht, klamme Parteifreunde mit Krediten zu versorgen. In dem Jahresabschlussbericht 1999 der Deutschen Baurevision für die Berlin Hyp tauchen unter der Rubrik "Wertberichtigte Kredite (Risikoklasse III)" etwa die Klaus-Hermann-Wienhold- und die Dr.-Christian-Neuling-Gruppe als zweifelhafte Bankengagements auf. Wienhold war CDU-Landesgeschäftsführer unter Landowsky, Neuling saß für die Union im Bundestag.

Auch CDU-Großspender wie Klaus Groenke von der Groenke-und-Guttmann-Gruppe und Klaus Groth finden sich auf der Liste. Die Gruppe des Projektentwicklers Groth - ein strammer CDU-Mann, der auch die Parteizentrale der Bundes-CDU im Bezirk Tiergarten gebaut hat - ist zusammen mit ihren Fondsgesellschaften 1999 mit 922 Millionen Euro größter Kreditnehmer der Berlin Hyp.

Frühjahr 1999: Nach einer kurzen Beruhigung der Lage im Jahr 1997 schnellt die Risikovorsorge für 1998 wieder hoch. Erstmals seit Gründung wird keine Dividende ausgeschüttet.
Mehr noch: Um dem Parteifreund aus der Klemme zu helfen, kauft die Berlin Hyp eine Groth-Immobilie - bankintern später "Almosenhaus" genannt - gegenüber der eigenen Zentrale in der Budapester Straße. Und das trotz großen Leerstands von Büroräumen im Konzern.

Zufall oder nicht - in der Zeit von 1988 bis 1995 spendet Groth rund 170.000 Euro an die Union.

Zuweilen nutzt Landowsky seinen Bankjob auch für die Durchsetzung privater Interessen. So sichert der CDU-Politiker mit dem Geld des Instituts seinem Tennisclub, dem Promi-Verein LTTC Rot-Weiß im Grunewald, den Fortbestand des internationalen Damentennis-Turniers, als 1993 der damalige Hauptsponsor Lufthansa aussteigt. Zuletzt zahlt die Bankgesellschaft 500.000 Euro im Jahr.

Doch auch die Sozialdemokraten spannen die Bank für eigene Zwecke ein - sie dient vorzugsweise als Versorgungsposten für abgehalfterte Politiker und altgediente Kofferträger. So landet Ex-Baustaatssekretär Hans Görler als Geschäftsführer bei der Immobiliengesellschaft IBG, einer Tochter der Bankgesellschaft; Reiner Nittka, ein Mitarbeiter von Ex-Bürgermeister Walter Momper, wird Prokurist bei der IBG-Tochter Bavaria.

Selbst ein Genosse von der Saar erhält ein Pöstchen. Helmut Müller, über die Rotlichtaffäre gestürzter Ex-Oberbürgermeister von Saarbrücken, wird Geschäftsführer des Fondsvertreibers IBV.

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