Sonntag, 31. Juli 2016

Schmidtbank Wieandt legt Sanierungsplan vor

"Schmerzhafte Einschnitte" - rund 800 Stellen und jede zweite Filiale fallen weg.

Paul Wieandt muss hart durchgreifen
DPA
Paul Wieandt muss hart durchgreifen

Nürnberg - Mit Straffung des Filialnetzes und harten Einschnitten beim Personal will der als Sanierer eingesetzte Schmidtbank-Chef Paul Wieandt das angeschlagene Institut vor dem endgültigen Aus retten. 750 bis 850 der 2000 Stellen müssten abgebaut und 50 bis 60 der 120 Filialen geschlossen werden, sagte Wieandt am Mittwoch. Die Bank habe eine Zukunft. Sie müsse sich aber auf ein tragfähiges Kerngeschäft konzentrieren. Wesentliche Teile des Sanierungskonzeptes sollen bis Ende 2003 umgesetzt werden.

Wieandt sprach nach einer Analyse der Finanzsituation von einer erschreckenden Bilanz. Der Wertberichtigungsbedarf im Kreditgeschäft liege mit 700 Millionen Euro weit höher als erwartet. Der Verlust des vergangenen Jahres übersteige deutlich eine Milliarde Euro. Das Grundkapital der Bank sei aufgezehrt. Die Restrukturierungskosten setzt Wieandt mit 200 Millionen Euro an.

Kernpunkt des Konzepts ist die Neuausrichtung auf attraktive Kundensegmente. Im Firmenkundengeschäft will die Schmidtbank eine "stringente Risikopolitik" betreiben und keine Einzelkredite von über 20 Millionen Euro mehr vergeben. Die bundesweiten Private-Banking-Aktivitäten werden eingestellt.

Nahezu alle Beteiligungen sollen abgestoßen werden. Für den Verkauf des Online-Brokers Consors Börsen-Chart zeigen, an dem die Bank 64,5 Prozent hält, sollte das Bieterverfahren bis Ende März abgeschlossen sein. Man erwarte durch die Verkaufserlöse aber keine nennenswerten Veränderungen der Verlustzahlen. "Die Bank hat die Bewertungsspielräume bei fast allen Wirtschaftsgütern nach oben extensiv ausgeschöpft", sagte Wieandt.

Bei der Abarbeitung der Kredite werde man "sorgfältig" vorgehen, versprach der Schmidtbank-Sanierer. Die Wirtschaftsministerien der betroffenen Bundesländer seien eingeschaltet. Eine Arbeitsgruppe soll prüfen, ob die öffentliche Hand bei "kritischen Fällen" helfen könne.

Zurückhaltend äußerte sich der neue Bankchef zur möglichen Haftung strafrechtlichen Verantwortung seines Vorgängers oder anderer Verantwortlicher. Ursachen für die Verluste würden geprüft, ein Prüfungsbericht liege nicht vor Ende Mai vor.

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