Freitag, 14. Dezember 2018

Tchibo Imperial Tobacco trägt den Sieg davon

Der Kaffee-Konzern trennt sich endgültig vom Tabak. Reemtsma gehört nicht mehr zur Familie.

Frankfurt am Main - Ein viermonatiges Bieterverfahren geht zu Ende. Der traditionsreiche Hamburger Tabakkonzern Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH wird nach Großbritannien verkauft. Die Imperial Tobacco Group plc, Bristol, übernimmt eigenen Angaben vom Donnerstag zufolge 90,01 Prozent des Unternehmens, das bisher mehrheitlich zur Tchibo Holding gehörte. Zusammen bilden beide Unternehmen den viertgrößten Tabakkonzern der Welt. Die Briten lassen sich den Kauf gut 5,2 Milliarden Euro kosten. Für die restlichen zehn Prozent der Anteile haben sie sich eine Option gesichert.

Die Reemtsma Gesellschafter erhalten zusätzlich zum Kaufpreis eine Dividende von 810 Millionen Euro sowie weitere Cash-Anpassungen und -Auszahlungen von rund 230 Millionen Euro, heißt es in einer Tchibo-Mitteilung.

Präsent in 100 Ländern

Aus der Zusammenführung erwartet Imperial Tobacco von 2004 an jährliche Synergien von 279 Millionen Euro. Gemeinsam werden beide Unternehmen nach Tchibo-Darstellung einen Pro-Forma-Umsatz von 4,7 Milliarden Euro ohne Tabaksteuer erwirtschaften, in 100 Ländern vertreten sein und mehr als 18.000 Mitarbeiter beschäftigen.

An der Börse wurde die Nachricht am Vormittag als "gut" bezeichnet. Der Preis liege leicht unter der Prognose von sechs Milliarden Euro, hieß es zur Begründung. Die Profitabilität von Reemtsma sei "in line", die Kosteneinsparungen höher als erwartet.

Im ersten Jahr erwartet Simon Willis von ING Baring allerdings noch keinen Wertzuwachs. Imperial Tobacco dürfte mit dem Engagement in der Lage sein, die internationale Präsenz, speziell in Osteuropa, zu erhöhen. Die Imperial-Tobacco-Aktie gewann an der Börse bereits 2,6 Prozent.

Beim Zusammengehen der beiden Konzerne, die etwa gleich groß sind, gebe es kaum Überschneidungen bei Produkten und Märkten. Vor allem in den Hauptmärkten von Reemtsma, Mittel- sowie Osteuropa und Asien ist Imperial nur schwach vertreten. Ausgehend von einem Marktanteil von 22 Prozent in Deutschland, hat Reemtsma in den vergangenen Jahren vor allem in Zentral- und Osteuropa und in Asien stark expandiert.

Einstimmig

Auf Seiten Reemtsmas haben die Gesellschafter der Familie Reemtsma und der Tchibo Holding AG einstimmig dem Verkauf zugestimmt. Nach dem Übergang soll ein Team aus Führungskräften von Imperial Tobacco und Reemtsma die Integration der beiden Geschäftsaktivitäten führen. Das Tauziehen um den deutschen Zigarettenhersteller ist damit zu Ende. Um ihn hatten sich neben Imperial Tobacco auch Japan Tobacco sowie die französische Altadis intensiv bemüht.

Die Tchibo-Familie Herz kann sich damit wieder der Frage zuwenden, wie sie die Erlöse aus dem Reemtsma-Verkauf anlegen soll. Angeblich wollen die Hamburger die Beteiligung von derzeit 30 Prozent an dem Kosmetikkonzern Beiersdorf Börsen-Chart zeigen weiter ausbauen und haben es auf das Beiersdorf-Aktienpaket des Versicherers Allianz Börsen-Chart zeigen abgesehen. Allerdings ist noch nicht klar, ob die Allianz den 44-Prozent-Anteil nicht lieber an die Konkurrenten L'Oréal, Unilever Börsen-Chart zeigen oder Henkel Börsen-Chart zeigen abgeben möchte. Seitens der Allianz ist zu hören, dass sich der Konzern des Werts des Beiersdorf-Pakets durchaus bewusst ist und sich keinesfalls unter Druck fühlt, die Aktien zu verkaufen.

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