Freitag, 9. Dezember 2016

Bank der Zukunft Festgefahren

Die Branche steckt tief im Morast veralteter Strukturen. Den Weg heraus kennt keiner so genau.

Bankenskyline: Die Zukunft ist unklar
Arne Stuhr;mm.de
Bankenskyline: Die Zukunft ist unklar

Frankfurt am Main - Der Titel klang vielversprechend, doch heraus kam nicht viel Neues: "Bank der Zukunft" hieß das Jahreseröffnungsgespräch des International Bankers Forum, zu dem Präsident Nader Maleki am Freitag geladen hatte. Auf dem Podium versammelten sich Hermann-Josef Lamberti (Vorstand Deutsche Bank), Martin Blessing (Vorstand Commerzbank) und Peter Buschbeck (Vorstand Citibank), um zentral auf das Thema "Neue Anspracheformen im Privatkundengeschäft" einzugehen.

Lamberti nutzte die Gelegenheit, noch einmal für die gestern von der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen vorgestellten Führungsstruktur zu werben. Darüber hinaus sprach er von Kunden, die stärker segmentiert werden müssten, damit besser auf ihre individuellen Wünsche eingegangen werden könne. "Ein Milliardär erwartet eine andere Behandlung als jemand mit niedrigerem Einkommen". Es gelte "Service, Service, Service" zu bieten und der verstärkten Nachfrage nach Fonds gerecht zu werden. Die Deutsche Bank rechne hier mit Wachstumsraten von 14 Prozent.

Türen auf für Fremdprodukte

Einigkeit unter den drei Vorständen bestand darin, dass sich die Banken im Fondsgeschäft stärker für Fremdprodukte öffnen müssen. Derzeit würden laut Lamberti "in der gesamten Industrie" zu 95 Prozent hauseigene Produkte angeboten. Dass sei inakzeptabel in einer Zeit, in der sich jeder Kunde via Internet über die Rentabilität verschiedener Anlageformen informieren könne.

Für weniger physische Präsenz in den Filialen und mehr Kundenkontakt per Telefonen über Call-Center sprach sich Commerzbank-Vorstand Martin Blessing aus. Die Banken besäßen zahlreiche Daten über ihre Kunden aber keine wirklich notwendigen Informationen über individuelle Wünsche und Verhaltensmuster. Die aber seien wichtig, um die ideal zugeschnittenen Produkte zielgerecht anzubieten. Wie an diese Informationen heranzukommen sei, wusste er nicht, ebensowenig wie Lamberti.

Das Dilemma der Commerzbank

Darüber hinaus befindet sich die Commerzbank Börsen-Chart zeigen laut Blessing in einem Dilemma: Einerseits beschäftigt sie in den Filialen zu viele kostenintensive Mitarbeiter. Andererseits seien diese Mitarbeiter mit jeweils etwa 400 zu betreuenden Kunden überlastet und hätten nicht die Kapazitäten, individuell zugeschnittene Produkte zu erarbeiten. Der Weg in die Zukunft steckt also noch in der Sackgasse.

Klare Ansagen, wie es in der Zukunft weitergehen soll, machte am ehesten Peter Buschbeck von der Citibank. Cross-Selling stehe im Mittelpunkt der Verkaufsstrategie seines Hauses. In der Werbung werde nicht auf Emotionen, sondern auf die Darbietung rationaler Vorteile gesetzt. Das Geschäft bei der Citibank sei einzig und allein ergebnisorientiert. Angeboten würde im Sinne der Allfinanz alles. Allerdings sei die Produkttiefe gering, man setze mehr auf Kooperationen.

Das Bestreben sei, möglichst viele Mitarbeiter von administrativen Aufgaben zu entbinden, damit sie möglichst viel Zeit für persönliche Beratung hätten. "Mit dieser Strategie wollen wir stärker Wachsen als der Mark", sagte Buschbeck.

Katy Hillmann

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