Sonntag, 25. September 2016

Norisbank "Mein Nachbar verdient aber gut"

Verwechslungspanne - tausende Kunden staunen über fremde Kontoauszüge in ihrer Post.

Nürnberg - Wie schnell auch die besten Datenschutzbestimmungen durch kleine, technische Missgeschicke ausgehebelt werden können, bewies eine defekte Kuvertiermaschine in der Nürnberger Zentrale der Norisbank. Das Gerät, das seit Jahren für den Massenversand eingesetzt wird, verpackte mal mehr, mal weniger Auszugsblätter in Umschläge, als es eigentlich sollte. Weil die anschliessenden Arbeitsgänge - Falten und Stempeln - fehlerlos abliefen, wurden vermutlich mehr als tausend Briefe mit den falschen Inhalten versandt. So dürfte sich mancher Noris-Kunde darüber gewundert haben, wie viel oder wenig Geld doch andere Leute auf ihrem Sparkonto parken. Posten wie Gehalt oder Miete tauchen allerdings kaum auf: In dem von der Maschine durcheinandergewirbelten Stapel befanden sich laut Norisbank nur Auszüge von "easy plussparen"-Kontos.

"In dreizehn Jahren ist so etwas noch nie passiert"

"Der Mitarbeiter in der Versandabteilung sagte mir, so etwas sei ihm in dreizehn Jahren noch nie passiert", erklärt Norisbank-Sprecher Ulrich Zeidner gegenüber manager-magazin.de. Bei Stichproben der Briefe, die die entgleiste Maschine eingetütet hatte, seien "ärgerlicherweise" nur korrekte Schreiben in den passenden Umschlägen gefunden worden: "Deshalb können wir auch nicht sagen, wie viele Briefe tatsächlich mit falschen Adressdaten verschickt wurden."

Ein Pfund Kaffee als Entschädigung

Die Kuvertiermaschine, eine von dreien, die bei der Norisbank (365.000 Sparkunden) täglich im Einsatz sind, sei mittlerweile komplett durchgecheckt, gewartet und penibel kontrolliert worden. "Die funktioniert jetzt wieder genauso gut wie eine neue", sagt Zeidner, der auch Leiter der Beschwerde-Abteilung in der Bank ist. Ja, es habe Anrufe von erbosten Kunden gegeben, fast alle hätten aber Verständnis gezeigt, als ihnen die Situation erklärt wurde. Andere hätten einfach die falschen Auszüge an die Bank zurückgesandt. Die 9000 Kunden, bei denen es zu Verwechslungen gekommen sein könnte, hätten jetzt auch entsprechende Schreiben erhalten. Rechtliche Schritte habe keiner der Betroffenen eingeleitet.

Als Entschädigung schenkt die Norisbank jedem Kunden, der die falschen Auszüge in einer Filiale abgibt, ein Pfund Kaffee. Der ist dort sowieso vorrätig - als Präsent für Interessenten, die sich in Sachen Riester-Rente beraten lassen.

Christian Buchholz

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