Montag, 29. August 2016

Deutsche Bank Breuers Böller

Zum Silvester-Wochenende überraschte Rolf-Ernst Breuer seine Mitarbeiter noch einmal mit einer Hiobsbotschaft. Die Bank streicht weitere 2100 Stellen.

Frankfurt - Die meisten Angestellten hatten sich bereits ins Wochenende verabschiedet, als die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen kurz vor Jahresende die Katze aus dem Sack ließ: Zusätzlich zum bereits angekündigten konzernweiten Abbau von 7100 Arbeitsplätzen sollen im Geschäftskunden- und Investment-Bereich (CIB) weitere 2100 Stellen gestrichen werden. Im vierten Quartal 2001 soll dafür eine Rückstellung von etwa 290 Millionen Euro gebildet werden.

Damit fallen bis Ende 2002 weltweit insgesamt 9200 Arbeitsplätze weg. Der Umstrukturierungsplan betrifft nicht nur den Geschäftskunden- und Investment-Bereich, sondern auch das Vermögensverwaltungs- und Privatkunden-Geschäft (PCAM) - also genau den Sektor, den Rolf-Ernst Breuer noch im Januar 2001 als neuen "Wachstumsmotor des Konzerns" bezeichnet hatte.

Rund 30.000 Stellen sollen gestrichen werden

Die Umstrukturierungsmaßnahmen in dieser Unternehmensgruppe berührten etwa 300 Mitarbeiter vor allem in den USA, im asiatisch-pazifischen Raum und in Großbritannien. Die Rückstellung dafür betrage 80 Millionen Euro.

Während der vergangenen Wochen hatten Deutsche, Dresdner, HypoVereins- und Commerzbank die Streichung von insgesamt knapp 30.000 Stellen angekündigt. In den USA wurde die Nachricht vom weiteren Job-Abbau der Deutschen Bank positiv aufgenommen. Die Aktie des Finanzkonzerns stieg am Freitag-Abend im New Yorker Handel auf ca. 70 Dollar, ein leichtes Plus von etwa 0,3 Prozent.

Gegenüber der "Börsen-Zeitung" (BöZ) bekräftigte Breuer unterdessen erneut, dass er schwierige Zeiten für die deutschen Finanzhäuser erwartet. "Es wird Pleiten geben", sagte der Vorstandssprecher in einem am Samstag erscheinenden Interview.

Breuer: "Zu viele Finanzdienstleister"

Er rechne mit einem "schmerzhaften" Konsolidierungsprozess bei den Banken. Die SchmidtBank - das Mutterhaus des Online-Brokers Consors - sei "der Finger an der Wand" gewesen.

Nach Ansicht von Breuer gibt es zu viele Finanzdienstleister in Deutschland. Diese Überkapazitäten seien nicht "rechtzeitig freiwillig bereinigt" worden. "Deshalb geschieht es jetzt aus der Not heraus." Es werde künftig sowohl weniger private Banken als auch Sparkassen und Volksbanken geben.

Die SchmidtBank sei gerettet worden, da zu viele Personen von einer möglichen Pleite betroffen worden wären: "Zu viele Kunden, zu viele betroffene Mittelständler, zu viele Arbeitnehmer, zu viele Arbeitslose". Solche Überlegungen spielten - zumal in einer strukturschwachen Region - eine Rolle. Damit werde Missmanagement bei Größeren belohnt, während Kleinere mit dem ordnungspolitisch vorgesehen Resultat "Exitus" bestraft werden.

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