Samstag, 23. Juli 2016

Investmentbanker Bonus-Blues

Zum Jahresende müssen die ehemaligen Einkommensmillionäre drastische Einbußen hinnehmen.

New York/London - In der Londoner City sind die Weihnachts-Sonderzahlungen um zum Teil 70 Prozent eingebrochen, an der Wall Street geht der Bonus-Verlust in die Milliarden. Das Jahr 2001 dürfte als "annus horribilis" in die Geschichte der Investmentbanken eingehen. Die Traumata nach dem Terror-Angriff auf das World Trade Center und die Trauer um verlorene Kollegen wirken fort. Und auch in der Gehaltsbilanz bekommen die Investmentbanker die Terror-Folgen und die Auswirkungen von Börsenflaute und Rezession zu spüren.

Häuserschlucht im New Yorker Finanzviertel: Für Investmentbanker das schwärzeste Jahr seit 1998
AP
Häuserschlucht im New Yorker Finanzviertel: Für Investmentbanker das schwärzeste Jahr seit 1998
Bei den New Yorker Banken der Branche sind die Boni, die oft einen Löwenanteil der Jahreseinkünfte ausmachen, um rund 30 Prozent gefallen. Das gibt der Rechnungsprüfer des Staates New York an, H. Carl McCall. Sein Büro veröffentlicht jährlich eine Schätzung der Bonuszahlungen. Der Rückgang von 4,3 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahr sei der stärkste seit 1998, heißt es darin. Trotzdem werden insgesamt noch rund zehn Milliarden Dollar Sonderzahlungen auf die Gehaltskonten der Banker fließen.

Allein Goldman Sachs hat in diesem Jahr 80 Millionen Dollar weniger an Boni und Gehältern ausgezahlt als noch 2000. Eine der Hauptursachen ist der massive Einbruch im lukrativen Geschäft mit Beratungsdiensten bei Firmen-Fusionen und -übernahmen. Im vierten Quartal des letzten Geschäftsjahres war der Goldmann-Gewinn um 17 Prozent auf 497 Millionen Dollar geschrumpft. Goldman hat in diesem Jahr 900 Stellen von den Gehaltslisten gestrichen und für die "Überlebenden" des Job-Abbaus die Sonderzahlungen drastisch eingeschränkt.

Auch für schlechter verdienende New Yorker sind die Einkommenseinbußen bei den Investment-Stars kaum Anlass zur Schadenfreude. "Die Folgewirkungen der Bonusrückgänge sind enorm", sagte eine Volkswirtin des Interessenverbandes "Citizen Budget Commission" der "New York Times". Denn obwohl nur fünf Prozent der New Yorker an der Wall Street und in ihrem Umfeld arbeiten, zahlen diese Beschäftigten 15 Prozent der städtischen Steuern. Eine Vielzahl von schlechter bezahlten Beschäftigten, seien es Taxi-Fahrer, Floristen, Babysitter, Reisebüro-Angestellte oder Autohändler, dürften zu spüren bekommen, dass die Investmentbanker weniger Geld auf dem Konto haben als üblich.

Auch in der "Square Mile" der Londoner City, dem wichtigsten europäischen Finanzzentrum, stimmen die Banker in den Bonus-Blues ein. Der "Daily Telegraph" berichtet unter Berufung auf Bankenkreise, dass die Bonus-Zahlungen bei Goldman Sachs London um 45 Prozent, bei Morgan Stanley um 40 Prozent gesunken seien. Bei Häusern, die auf besonders erschütterte Branchen wie Medien, Technologie oder Telekommunikation spezialisiert sind, schrumpften die Bonus-Zahlungen demnach oft sogar um 70 Prozent. Ein auf Internet-Unternehmen spezialisierter Top-Investmentbanker kann aber trotzdem noch rund eine Million Dollar Bonus kassieren.

Und nicht allen Top-Bankern dürfte der Blick aufs Konto die Weihnachtsstimmung verderben. Gerade bei Spezialisten für Rentenpapiere, die Krisenzeiten besonders im Kurs stehen, gibt es erneut Sonderzahlungen in rekordverdächtiger Höhe. Ein Beispiel ist Bob Diamond Jr., Spitzname "The Coach". Der Chef von Barclays Capital nimmt laut "Sunday Times" einen Bonus von 16,25 Millionen Euro mit nach Hause - einer der höchsten Weihnachtsboni in der Geschichte des Finanzplatzes London.

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