Montag, 17. Dezember 2018

Prada Das Imperium der Miuccia Prada

Sie wollte mit Mode nicht viel zu tun haben und brachte es zur erfolgreichsten Designerin der neunziger Jahre. Richtig vermarktet von Ehemann Patrizio Bertelli, trat die Marke Prada ihren Siegeszug rund um den Globus an.

Herrscherin im Prada-Reich - Miuccia Prada
REUTERS
Herrscherin im Prada-Reich - Miuccia Prada

Hamburg - Der Erfolg der Miuccia Prada beginnt mit einem Nylonrucksack. In den achtziger Jahren entwarf die Mailänderin das gleichzeitig elegante und praktische Utensil aus einem unverwüstlichen Stoff, der einst für die Bedürfnisse der italienischen Armee entwickelt worden war.

Sie versah ihn mit ihrem dreieckigen Prada-Label, und es dauerte nicht lange, bis das kleine, aber feine Stück Kult-Status erreichte, ebenso wie seine Schöpferin. In den neunziger Jahren war Miuccia Prada ausschlaggebend für beinahe jeden Trend, von der Nylon-Jacke über ihren strapazierfähigen Uniformstil bis hin zum Mao-Look. Ihre Klettverschlüsse, Latex-Blusen und Capri-Hosen wurden massenhaft kopiert. Dabei war sie nicht von Geburt an passionierte Designerin. Im Gegenteil.

Das war Prada im Winter 2000 ...
Politikerin hätte sie eigentlich werden wollen. Sie stand der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) nahe, debattierte viel und heftig und demonstrierte für die Frauenbewegung. Daneben studierte Miuccia Prada politische Wissenschaften, schloss sie mit einer Promotion zum D. phil. ab und absolvierte eine fünfjährige Schauspielausbildung bei Giorgio Strehler am Mailänder Piccolo Teatro.

Die Politiker-Karriere fand ein jähes Ende, als sich 1978 niemand in ihrer Familie bereit erklärte, die Leitung des 1913 von ihrem Großvaters Mario Prada gegründeten Geschäfts für Luxusreisegepäck zu übernehmen. Der hatte sich auf schwergewichtige Ledertaschen und Koffer spezialisiert, die handgefertigt und mit Gold und Elfenbein versehen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war derartiges Gepäck nicht sonderlich gefragt, Prada hing ein angestaubtes Image an. Aber das änderte sich, als Miuccia die Zügel in die Hand nahm.

... im Sommer 2001 ...
Wahrscheinlich jedoch hätte sie es alleine nicht zu einem wahrhaften Prada-Imperium gebracht. Sie war zu wenig Businessfrau. Der richtige Manager begegnete ihr auf einer Messe in Gestalt von Patrizio Bertelli. Zunächst bezichtigte sie den Repräsentanten einer Werbefirma des Ideen-Raubs, bis die Wut in Liebe umschlug und beide nicht nur geschäftlich Partner wurden. Inzwischen sind sie verheiratet und haben zwei Kinder. In der Branche ist das Power-Paar gefürchtet, vor allem wenn es auf Einkaufs-Tour geht. Ende der neunziger Jahre expandierte Prada rasant.

Im März 1999 kaufte der Konzern 51 Prozent von Helmut Lang und im Herbst des Jahres wanderte das Hamburger Unternehmen der Designerin Jil Sander zu den Mailändern. Letzterer Einkauf sorgte für Schlagzeilen, weil Jil Sander nach heftigen Auseinandersetzungen mit Bertelli den Konzern aus ihrem selbst geschaffenen Unternehmen ausstieg. Außerdem kaufte Prada einen Anteil an dem Schuhersteller Chuch's und 25,5 Prozent an Fendi. Der letzte große Deal brachte im Juli 2001 die Modehäuser Genny, Byblos und Masvil unter das Dach von Prada.

... und so geht es 2002 weiter
Allerdings sieht es derzeit so aus, als würde der Konzern an einigen Stellen bröckeln. Nach dem 11. September sind in den USA, einem der wichtigsten Abnehmerländer, die Absatzzahlen stark zurückgegangen. Jil Sander schreibt erstmals in der Unternehmensgeschichte rote Zahlen.

Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass Bertelli den Hamburger Luxusladen wieder los werden möchte. Den Anteil an Fendi verkaufte Bertelli kürzlich an LVMH, um anderswo Verluste auszugleichen. Den für Herbst geplanten Börsengang musste er absagen.


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