Dienstag, 27. September 2016

HypoVereinsbank Bayerische Beichte

HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt gesteht Fehler der Großbanken beim Strukturwandel ein. Die Alleinschuld für Pleiten wie jetzt bei der SchmidtBank lehnt er aber ab.

HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt
DPA
HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt

Hamburg - Die Banken hätten sich zu lange auf eine Steigerung der Brutto-Erträge konzentriert, sagte Albrecht Schmidt, Vorstandsvorsitzender der HypoVereinsbank (HVB) Börsen-Chart zeigen, am Montagabend vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Die durch die Wiedervereinigung steuerlich begünstigten Investitionen und der Börsenboom Ende der Neunziger hätten diese Entwicklung noch verstärkt und notwendige Strukturveränderungen verhindert. "Wir sind zu sehr verwöhnt worden", gestand Schmidt.

Sein eigenes Haus sieht Schmidt beim Nachholen der Rentabilitätsausrichtung auf dem richtigen Weg. "Der Schmerz war hilfreich", so seine Zwischenbilanz. Für die gesamte Branche erwartet der HVB-Primus eine weitere Konsolidierung. "Nur zwei private Großbanken werden überleben. Andere sind schon an der Grenze, sich zu verabschieden", lautet seine Prognose.

Ruinöser Wettbewerb

Als größten Fehler der deutschen Finanzbranche nannte Schmidt, dass Kredite nicht zu Marktkonditionen und damit zu billig vergeben wurden. "Die Banken haben Kredite verkauft, statt Risiken einzukaufen", skizzierte er den Denkfehler im Geschäftsmodell seiner Zunft. Die Hauptschuld gibt er aber den öffentlich-rechtlichen Sparkassen, die den Mittelstand praktisch mit zu niedrig kalkulierten Krediten verdorben hätten. "Die privaten Banken hätten sich auf diesen Wettbewerb nicht einlassen sollen", zeigte Schmidt sich reumütig.

Dieser ruinöse Wettbewerb sei unter anderem auch für die Probleme bei der SchmidtBank verantwortlich. Die jetzt gefundene Auffanggesellschaft bezeichnete Schmidt als eine "Übergangslösung aus volkswirtschaftlichen Gründen", da bei einer Pleite alle Kredite fällig gestellt worden wären. Die Auswirkungen auf die Region hätten auch die anderen Kreditinstitute zu spüren bekommen.

Für sein hausinternes Sorgenkind, den Direkt-Broker DAB, hat der HVB-Chef noch keine Lösung parat: "Ich brauche Zeit zum Überlegen, aber dann wird gehandelt." Noch seien alle Optionen - der Zukauf von kleinen Anbietern, eine Großfusion oder die Rückintegration in den HVB-Konzern - denkbar.

Zur aktuellen Geschäftsentwicklung der HypoVereinsbank blieb Schmidt vage: "Die gesamte Wirtschaft ist im vierten Quartal nicht besser als im dritten gelaufen, unsere Rendite für das Gesamtjahr wird auf jeden Fall nur einstellig werden." Auch zu seiner im Jahr 2003 anstehenden Nachfolgeregelung orakelte er nur: "Ich erzähle nur das, was ansteht. Aber der Nachfolger ist schon an Bord."

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