Donnerstag, 28. Juli 2016

SchmidtBank Das Fell wird verteilt

Während die Auffanggesellschaft nach einem neuen Chef für die angeschlagene Regionalbank sucht, reibt sich die Konkurrenz schon die Hände. Sie hofft auf überlaufende Kunden.

Karl Gerhard Schmidt legte alle Ämter nieder
DPA
Karl Gerhard Schmidt legte alle Ämter nieder

Hof/Berlin - Die Gespräche über die Zukunft der finanziell angeschlagenen SchmidtBank laufen nach der vorläufigen Rettung des Kreditinstituts auf Hochtouren. "Wir suchen nach einer Person, die die Neustrukturierung schnellstmöglich umsetzen soll", sagte ein Sprecher des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) am Montag in Berlin. Zunächst werde eine Bestandsaufnahme gemacht. Dazu gehöre es auch, die Verlustbringer bei der SchmidtBank aufzuspüren. Die SchmidtBank war zu keiner Stellungnahme bereit.

Karl Gerhard Schmidt, bisher geschäftsführender Gesellschafter, legte am Montag nach 40 Jahren seine Ämter in der Bank nieder. Das seit 173 Jahren bestehende Geldinstitut galt mit seinen 140 Filialen als "Bank für jedermann". Dieses weit gefächerte, kostspielige Geschäft könnte der Bank nach Einschätzung von Beobachtern nun einen Teil der Probleme eingebrockt haben.

"Die Kunden kommen ohnehin zu uns"

Die Direktbank-Tochter der Commerzbank Börsen-Chart zeigen, Comdirect Börsen-Chart zeigen, ist unterdessen Spekulationen entgegengetreten, die SchmidtBank-Tochter Consors Discount-Broker Börsen-Chart zeigen übernehmen zu wollen. "Bevor wir nicht wissen, was das Bankenkonsortium mit den Consors-Anteilen vorhat, können wir überhaupt keine Entscheidung treffen", sagte ein Comdirect-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa-AFX am Montag.

Von Mitleid für den Konkurrenten ist die Comdirect weit entfernt. "Durch eine Marketingaktion haben wir seit Freitag mehrere hundert Neukunden gewonnen, ein großer Teil davon wechselte von Consors", so der Sprecher weiter. Man habe unter dem Strich eine "sehr gute Ausgangsposition". "Warum sollen wir das Unternehmen kaufen, wenn die Kunden ohnehin zu uns kommen", sagte der Sprecher.

Noch wägt sich das "Nicht-Objekt" der Begierde in relativer Sicherheit. "Sicherlich rufen Kunden an, die verunsichert sind", sagte eine Consors-Sprecherin. Auch seien Depotkündigungen eingegangen, aber "so dramatisch ist es in dem Moment nicht".

"Wir stehen unter neuer Leitung"

Gespalten reagierten die Kunden der SchmidtBank am Montag in Hof auf die Auffanglösung, mit der die deutschen Großbanken und der öffentlich-rechtliche Bankensektor in Bayern das Institut sanieren wollen. Ein großer Teil der Kunden, die aus der Hauptgeschäftsstelle in der Hofer Fußgängerzone kamen, hatte seine Ersparnisse gekündigt und sofort Bargeld mitgenommen. "Ich habe mein Geld abgeräumt", so mehrere verunsicherte Kunden. Doch der große Ansturm blieb aus. Manche äußerten sogar die Hoffnung, dass die Bank unter ihrem traditionsreichen Namen erhalten bleiben könnte. Bei der Zweigstelle der Landeszentralbank habe die SchmidtBank am Montag nicht mehr Bargeld bestellt als gewöhnlich, um sich für etwaige Panikreaktionen der Kunden zu wappnen, wie ein Filial-Mitarbeiter berichtete.

Heftige Kritik äußerten Kunden an der Informationspolitik der SchmidtBank, die sich nicht geäußert hatte, auch als breite Teile der Medien über die Probleme berichtet hatten. "Wir stehen unter neuer Leitung, wir dürfen nichts sagen", sagte am Montag die Pressesprecherin.

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