Sonntag, 25. September 2016

Aldi Familientrennung

Sie laufen unter einem Namen - doch sonst haben sie nicht mehr viel gemein: Aldi Nord und Aldi Süd. Mit höchst unterschiedlichen Methoden managen die Albrecht-Brüder ihre Billigläden: Das Gespann hat sich auseinander gelebt.

Hamburg, Stadtteil Grindel. Ein Aldi-Markt. Auf dem Gehsteig fliegt Verpackungsmüll umher, das Geschäft wirkt düster, ungastlich, ein wenig schmuddelig; es herrscht drangvolle Enge. Parkplätze gibt es nicht. Ein Harddiscounter der Frühzeit eben ­ schmucklos, einfach, einfach billig.

Ortswechsel. 670 Kilometer südlich, am Stadtrand von Ingolstadt. Wieder ein Aldi-Markt. Außen und innen sehr gepflegt, sogar Blumen vor der Tür - und für den Familieneinkauf besonders wichtig - genug Platz für Autos.

Hübsch aufgeteilt: Die beiden Discountreiche der Aldi-Brüder
Welten liegen zwischen den Filialen. Kein Wunder: Obwohl beide unter dem Namen Aldi firmieren, werden sie von unterschiedlichen Unternehmen betrieben - von Aldi Nord und Aldi Süd.

Quer durch die Republik haben die Firmen eine Demarkationslinie gezogen, mitten durch Nordrhein-Westfalen und Hessen, von der holländischen bis an die tschechische Grenze.

Nördlich des Aldi-Äquators befindet sich das Discountreich von Theodor ("Theo") Albrecht (79) mit 2276 Läden, im Süden das Territorium seines Bruders Karl (81) mit 1302 Filialen. Das Gros der süddeutschen Läden ist attraktiver, sie liegen günstiger, und Aldi Süd nutzt konsequenter die moderne Technik. Aldi Nord hingegen ist es in vielen Fällen noch nicht gelungen, den engen Innenstadtlagen der ersten Gründungswelle zu entfliehen.

All das führt dazu, dass Aldi Nord im Wettbewerb zurückfällt. Die Zahlen sprechen für sich. 2000 setzte die eher gestartete Nordgruppe in Deutschland 20,5 Milliarden Mark um - nicht einmal 20 Prozent mehr als Aldi Süd (17,3 Milliarden). Und das, obwohl der Nordteil über fast doppelt so viele Läden verfügt.

Aldi im Jahr 2001: eine Marke, die für Qualität und Preiswürdigkeit steht und sich eines exzellenten Rufs erfreut, weit über die Branche hinaus; quasi ein Modellfall für Managementschulen. Zugleich aber zwei Unternehmen, die sich weit stärker auseinander entwickelt haben als gemeinhin bekannt.

Wie geht es weiter mit den über ganz Deutschland und sogar über drei Kontinente verbreiteten Billigläden? Sie werden von zwei Männern geführt, die einander nicht mehr viel zu sagen haben und die dank ihres fortgeschrittenen Alters zwangsläufig die Frage aufkommen lassen, was nach ihnen mit den Handelsriesen geschieht. mm hat einen Blick hinter die Kulissen des verschwiegenen Aldi-Reichs geworfen.

Nördlich und südlich des Aldi-Limes haben sich zwei völlig verschiedene Führungskulturen herausgebildet. So hat inzwischen nur Karl, der Ältere, konsequent für die Nachfolge gesorgt; ein familienfremder Manager leitet Aldi-Süd.

Im Norden regiert hingegen immer noch Theo Albrecht ­ einer von vielen erfolgreichen Unternehmern, die nicht von der Macht lassen mögen.

Die Südstaatler um Karl Albrecht mögen sich inzwischen so wenig mit den nordländischen Kollegen identifizieren, dass sie im vergangenen Jahr zum ersten Mal den Zusatz "Süd" auf ihr Aldi-Logo schrieben. Ganz so, als wollten sie nun hoch-offiziell allen Kunden mitteilen, dass sie etwas Besseres seien. Der Norden begnügt sich weiter mit dem Schriftzug "Aldi-Markt".

Petra Schlitt

Weiter zum zweiten Teil: Im Süden geht alles schneller


Aldi

Der Billiganbieter ist tief gespalten

Teil 1: Familientrennung

Teil 2: Im Süden geht alles schneller

Teil 3: Karl machte sich überflüssig

Teil 4: Theo redet noch immer mit

Teil 5: Erfolgsstory mit offenem Ende


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