Freitag, 26. August 2016

Deutsche Bank Spielen mit den Schmuddelkindern

Abschied vom Edel-Image - wer in Zukunft einen Fonds der Deutsche-Bank-Tochter DWS kaufen oder einen Sparplan bei der Deutschen Bank 24 abschließen möchte, kann bald getrost zu Hause bleiben.

[M]mm.de

Hamburg/Frankfurt - Ab 2002 werden den Privatkunden die Investmentfonds und Finanzprodukte der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen nicht nur in den Filialen und "Moneyshops" angeboten. Über die Vertriebskanäle der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) werden sie ihnen künftig auch in den eigenen Wohnzimmern offeriert. Die Frankfurter gaben am Donnerstag eine entsprechende Vertriebspartnerschaft mit der DVAG für Deutschland und Österreich bekannt.

Die DVAG verfügt nach eigenen Angaben in diesen Märkten über rund 30.000 Berater und 1650 Direktionen und Geschäftsstellen. Laut Deutscher Bank ist sie mit 3,3 Millionen Kunden der "weltweit größte eigenständige Finanzvertrieb".

Während sich Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer über einen "starken und zuverlässigen Partner" freut, wird die DVAG von Verbraucherschützern und Finanzexperten eher kritisch gesehen. "Drückerkolonne" und "Kloppertruppe" sind gerne verwendete Bezeichnungen für die Mannschaft von DVAG-Gründer Reinfried Pohl.

Helmut Kohl als Berater

Pohl selbst sieht in der Partnerschaft mit dem deutschen Branchenprimus seine Idee vom Allfinanzkonzept bestätigt. Und in der Tat kommt die Verbindung mit der Deutschen Bank einem Ritterschlag für die ehemaligen "Schmuddelkinder" der Finanz-Branche gleich.

Gesellschaftliche Anerkennung hat der 73-Jährige, der als Vorstandschef der DVAG immer noch die Fäden zieht, aber nicht mehr nötig. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes und Sponsor von Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher ist stets von politischer Prominenz umgeben. Vor allem ehemalige Spitzenpolitiker der CDU/CSU, wie zum Beispiel Gerhard Stoltenberg, Theo Waigel, Walter Wallmann oder Friedhelm Ost, zählen zu Pohls "Bekanntenkreis". Schließlich schmückt seit vergangenem Jahr auch Altkanzler Helmut Kohl als Beiratsvorsitzender das Pohl-Imperium.

Eine eigene Veranstaltung

Für die am Montag veröffentlichten Pläne der Deutschen Bank 24, den mobilen Vertrieb von derzeit 800 auf rund 1500 Mitarbeiter auszubauen, hat die Zusammenarbeit mit der DVAG keine Auswirkungen. "Diese Zahlen sind davon nicht betroffen", so Deutsche-Bank-Sprecher Ronald Weichert gegenüber mm.de.

Durch den künftigen Partner DVAG begibt sich die Deutsche Bank aber nicht auf Neuland. Mit der Bonnfinanz, die demnächst im Tauschverfahren gegen den Vermögensverwalter Scudder an die Zurich Financial fällt, hat der Konzern zurzeit bereits einen 1200 Mitarbeiter starken Direktvertrieb in den eigenen Reihen. Pikantes Detail am Rande: Gründer der Bonnfinanz war 1970 ein gewisser Reinfried Pohl.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH