Donnerstag, 25. August 2016

Merrill Lynch 10.000 Mitarbeiter sträuben sich

Das hatte die US-Investmentbank anders geplant. 15 Prozent des Personals wollen nicht freiwillig ausscheiden. Die Mehrheit der betroffenen Banker griff bei den Abfindungsangeboten nicht zu. Der einstige Star-Analyst Henry Blodget hingegen erhält eine Millionen-Prämie.

mm.de

Frankfurt - Bis zu 54 Wochengehälter hatte die Personalabteilung von Merrill Lynch den Mitarbeitern geboten, die auf ihrer Streichliste standen. Dazu Sonderzahlungen, die sich nach dem Bonus des Jahres 2000 richteten, der für viele Angestellte angesichts von Merger-Mania und Börsenbegeisterung im Millenniumsjahr nicht zu knapp ausgefallen sein dürfte. Bis zu 40 Prozent des Bonus wurden für ein freiwilliges Ausscheiden geboten, berichteten Mitarbeiter des weltweit zu den Top-Five zählenden US-Brokers.

Zusatzkosten durch Kündigungsklagen

Aber Geld allein genügte den Merrill-Lynch-Mitarbeitern augenscheinlich nicht. Nur eine Minderheit der Betroffenen ging auf das Angebot ein. Pünktlich zum Quartalsende liegen deshalb heute in Tausenden Postfächern der Firma mit dem Bullen als Firmen-Logo offizielle Kündigungsschreiben. Dabei werden den Entlassenen dem Vernehmen nach dieselben Konditionen angeboten wie denen, die freiwillig gegangen sind. Trotzdem dürften auf Merrill Lynch jetzt erhebliche zusätzliche Kosten durch Kündigungsklagen zukommen.

Prüfung von Bereichen wird "schneller vorangetrieben"

"Während des ganzen Jahres haben wir angesichts spärlich sprudelnder Einnahmen unsere Geschäftsaktivitäten einer kritischen Prüfung unterzogen", sagte Unternehmenssprecherin Selena Morris gegenüber dem Finanzinformationsdienst Bloomberg. Diese Prüfungen werden laut Morris jetzt "schneller vorangetrieben", aber es gebe "keine Zielgröße" für geplante Entlassungen im Gesamtkonzern. Die kolportierte Zahl von 10.000 Betroffenen kommentierte die Sprecherin nicht. 6100 Mitarbeiter mussten den Konzern, der weltweit 65.900 Mitarbeiter zählt, seit Jahresbeginn bereits verlassen.

Merrill-Lynch-Präsident Stanley O'Neal musste für das dritte Quartal einen Gewinneinbruch von 52 Prozent vermelden, spekuliert wird jetzt über Schließungen oder Verkäufe von Filialen in Kanada und Japan.

Hightechs und institutionelles Business betroffen

Vom Stellenabbau am stärksten betroffenen ist der Bereich Telekom und Technologie: Hier sollen 40 Prozent aller Arbeitsplätze gestrichen werden, im institutionellen Kundengeschäft müssen angeblich 15 Prozent aller Angestellten gehen.

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