Montag, 29. August 2016

Deutsche Bank Aus der Mottenkiste

Der deutsche Branchenprimus setzt bei Strategie und Mitarbeiterführung auf Altbewährtes. Ob Vorstandschef Rolf-E. Breuer die Probleme so in den Griff bekommt, ist zweifelhaft.

Hamburg - Der Herbst verlief für die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen bisher alles andere als erfreulich. Ende Oktober sickerten die Neunmonatszahlen bereits vor der offiziellen Bekanntgabe durch und riefen die Aufsichtsbehörden in Frankfurt und New York auf den Plan. Der Ausgang der Ermittlungen ist noch offen. Die peinliche Panne war umso ärgerlicher, weil die Zahlen trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs über den Erwartungen der Analysten lagen.

Die Deutsche Bank in Frankfurt
Arne Stuhr;mm.de
Die Deutsche Bank in Frankfurt
Nur zwei Tage später konnte Vorstandschef Rolf-E. Breuer erneut nur das bestätigen, was bereits am Morgen in den Zeitungen zu lesen war. Der Branchenprimus baut deutlich mehr Stellen ab als bisher geplant und will seine Belegschaft in den kommenden zwei Jahren um gut 7000 Mitarbeiter verkleinern.

Die Spekulationen um Abwanderungspläne der Frankfurter in Richtung London, eine öffentliche Schelte von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper für Breuers Forderungen nach einem Konjunkturprogramm und die Gerüchte um ein 500.000 Mark teures Spielzeug des Vorstandschefs rundeten das lädierte Bild der Deutschen Bank in der Öffentlichkeit ab.

Nun soll das Brot- und Buttergeschäft für gute Stimmung sorgen. "Unser Ziel sind 14 Millionen Kunden bis 2004", sagte Herbert Walter, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank 24, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ, Montagausgabe).

Die Privatkunden-Tochter setzt dabei vor allem auf die Märkte in Spanien und Italien. "Das können wir aus eigener Kraft durch organisches Wachstum schaffen", so Walter. Derzeit betreut seine Bank europaweit 11,4 Millionen Kunden.

Neben der Expansion im Ausland will Walter auch das Inlandsgeschäft vorantreiben. So soll zum Beispiel der Außendienst von 800 auf 1500 Berater aufgestockt werden. Ziel sei es, von einer auf Produkte ausgerichteten Bank zu einem Anbieter von "Problemlösungen" zu werden. Mit diesem erneutem Strategiewechsel setzt die Deutsche Bank ihr jahrelanges Hin und Her im Massengeschäft zwischen anonymer, aber effizienter Transaktionsbank und kundenorientierter Beraterbank fort.

Lohnender Blick ins Archiv

Größtes Problem bei der Umsetzung dürfte vor dem Hintergrund der angekündigten Stellenstreichungen die Motivation der Mitarbeiter sein. "Im kaufmännischen Bereich werden unsere Mitarbeiter von der Routinearbeit entlastet. Sie werden Zeit gewinnen für die Kundenwerbung und -betreuung."

Dieser Satz stammt nicht etwa aus dem Jahre 2001, sondern stand so in der Juni-Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift der Deutschen Bank anno 1963. Fast den gleichen Wortlaut benutze Walter jetzt im Gespräch mit der FAZ und hat damit den Deutsch-Bankern auch heute nicht viel mehr zu bieten als dieses 38 Jahre alte - und bisher uneingelöste - Versprechen.


Der große Kehraus - die Entlassungswelle rollt

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH