Samstag, 3. Dezember 2016

Krise der Banken Jede zweite Filiale in Gefahr

Nach Ansicht von Deutsche-Bank-Volkswirt Norbert Walter ist ein Drittel aller Bank-Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet.

Frankfurt am Main - In den kommenden zehn Jahren würde ein Drittel aller Arbeitsplätze in deutschen Banken auf der Streichliste stehen, das sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, Norbert Walter, gegenüber der "Welt am Sonntag". Auch jede zweite Bankfiliale sei in Gefahr. "Der Kostendruck wird die Banken zu einem weiteren, sehr viel stärkeren Personalabbau zwingen."

Die Dienste einer Bank könnten viel effizienter angeboten werden. Auch bei den öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Landesbanken sei ein Verlust von Arbeitsplätzen zu erwarten. "Der Druck, den die Privatbanken von ihren Aktionären bekommen, kommt bei den Sparkassen von den Gewährträgern." Ein sozialverträglicher Stellenabbau sei für die Banken in Deutschland allerdings teuer.

In den vergangenen Tagen hatten neben der Deutschen Bank mehrere Großbanken einen drastischen Stellenabbau angekündigt. Die HypoVereinsbank will 9100, die Dresdner Bank 7800 und die Commerzbank 3400 Stellen streichen.

Aus der Luft gegriffen

Die Deutsche Bank will den angestrebten Abbau von 7100 Stellen bis zum Jahr 2003 mit den "bewährten personalpolitischen Instrumenten" bewältigen. "Rein statistisch könnte der Abbau über Fluktuation erfolgen, dies wird nicht in jedem Fall realisierbar sein", sagte Personalvorstand Tessen von Heydebreck der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Er widersprach Berichten, wonach Deutschlands größter Geldkonzern 15.000 Stellen abbauen wolle. Die Zahl "ist schlicht aus der Luft gegriffen", sagte Heydebreck.

Umbau der Bank 24 zum "Moneyshop"

Die Deutsche Bank 24 baut nach Angaben ihres Vorstandschefs Herbert Walter ihr gesamtes Filialnetz um. Die bundesweit über 1000 Filialen würden künftig unter dem Namen Moneyshop firmieren, sagte Walter der "Berliner Morgenpost" (Sonntagausgabe). Daneben sollten Beratungscenter qualifizierte Bankdienstleistungen anbieten.

Er begründete das neue Konzept mit dem veränderten Kundenverhalten. Geld abheben, Überweisungen sowie Kontoabfragen seien in den Moneyshops rund um die Uhr möglich. Die Deutsche Bank 24 hat seit ihrem Start im Jahr 1999 nach eigenen Angaben eine Million neue Kunden gewonnen. Insgesamt betreuen die 16.500 Beschäftigten 7,8 Millionen Privat- und Geschäftskunden.

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