Donnerstag, 28. Juli 2016

WTC Dreister Raub im Angesicht des Todes

Kurz vor dem Einsturz des Südturms am 11. September kam es nach US-Medienberichten zu einer unglaublichen Tat. Ein Devisenmanager und einige Kollegen setzten sich mit einer Beute von 105 Millionen Dollar aus dem brennenden Gebäude ab.

Der Anschlag auf das World Trade Center
CARMEN TAYLOR/AP
Der Anschlag auf das World Trade Center

New York - Sieben Wochen nach dem Anschlag auf das World Trade Center in Manhattan wurde nun ein Fall bekannt, der die amerikanische Bevölkerung tief erschüttert. Ein New Yorker Devisenmanager und einige seiner engsten Mitarbeiter nutzten das Chaos kurz vor Einsturz der Gebäude, um sich am Geld von Investoren zu bereichern. Sie überwiesen Beträge im Wert von 225 Millionen Mark auf eigene Konten, bevor der Südturm hinter ihnen kollabierte.

Nach amerikanischen Medienberichten konnten sich alle Mitarbeiter der Firma First Equity Enterprises am 11. September aus ihren Büroräumen im 15. Stock retten. Erst als die Börse am 17. September ihren Handel wieder aufnahm, fielen die fehlenden Anlagen auf.

Betroffen sind rund 1400 Investoren aus 14 Ländern, darunter Großbritannien, Australien und Neuseeland. Vom Chef der erst vor vier Jahren gegründeten Firma sowie anderen führenden Mitarbeitern fehlt derweil jede Spur.

Nach einem Bericht der "New York Times" war First Equity Enterprises eine Clearing-Firma für das Devisenunternehmen Evergreen International Spot Trading. Als solche nahm sie die Mittel von Evergreen-Kunden entgegen und zahlte an andere auf Wunsch Bargeld aus.

Die Staatsanwaltschaft im New Yorker Stadtbezirk Brooklyn, wo First Equity gemeldet war, hat auf Drängen von Enterprise inzwischen Ermittlungen gegen die geflüchtete Firmenspitze eingeleitet. Nach Angaben der Zeitung wird vor allem nach zwei Personen gesucht: Gary Farberov, Präsident von First Equity, und Paulina Sirotina, die einen Vertrag als Chief Financial Officer (CFO) hatte.

Die Suche nach der Beute läuft derzeit auf Hochtouren. Eine erste Spur gibt es bereits: Ein Mitarbeiter des neuseeländischen Privatdetektivs Peter Snelgrove wurde in der Schweiz fündig. Offenbar handelt es sich um ein Konto bei einer Privatbank, auf dem etwa zwei Millionen Dollar entdeckt wurden. Weitere Angaben wurden zunächst nicht gemacht.

Albert Guglielmo, Präsident der Mutterfirma Evergreen International, reagierte auf die Nachricht von dem Raub fassunglos und entsetzt. "Das Geld ist weg? Ja. Wo ist es? Das weiß nur Gott", wird Guglielmo in der "New York Post" zitiert. "Wir haben hier das Geld von New Yorks Feuerwehrmännern. Können Sie sich vorstellen, wie unangenehm das ist? Das ist eine Horror-Geschichte."

Der Raub geschah im südlichen WTC-Turm (1) kurz vor dem Einsturz.
Unterdessen haben die Einsatzkräfte am "Ground Zero" Gold und Silber im Wert von über 430 Millionen Mark aus den Trümmern des World Trade Centers geborgen. Bürgermeister Rudolph Giuliani erklärte, ein Großteil des Edelmetalls aus dem Besitz der Bank of Nova Scotia sei bereits abtransportiert worden.

Das Gebäude der Bank wurde bei den Anschlägen am 11. September fast vollständig zerstört. Das Gold und Silber habe entfernt werden müssen, "weil die Behörden das Gebäude niederreißen müssen", sagte eine Sprecherin der Bank, Pam Agnew. Einzelheiten über den Abtransport wollte sie aus Sicherheitsgründen nicht nennen.


Chronik des Schreckens - der Anschlag auf das WTC

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH