Freitag, 14. Dezember 2018

Jack Welch Der "kleine Punk" ganz zahm

Nachdem er als CEO von General Electric zur lebenden Legende wurde, feilt Jack Welch auch als Privatier an seinem Mythos. In einer von manager magazin organisierten Podiumsdiskussion gewährte er im Gespräch mit Jürgen Kluge, McKinsey-Chef Deutschland, Einblicke in das Geheimnis seines Erfolges.

Berlin - Auf dem Cover seiner jetzt in Deutschland erschienenen Autobiografie gibt sich der ehemals "härteste Boss Amerikas" betont locker: weißer Pullover und die oberen Hemdknöpfe geöffnet. Zur Podiumsdiskussion des manager magazin erscheint Jack Welch aber noch einmal so, wie die 50 geladenen Gäste "Neutronen-Jack" erwartet haben - dunkler Anzug, Krawatte. Diese allerdings in knalligem Pink und damit moderner als die nüchternen Binder der meisten Zuhörer. Die 65-jährige Manager-Legende gibt - wie gewohnt - in jeder Beziehung den Ton an.

Schon nach den ersten Fragen von McKinsey-Chef Jürgen Kluge wird klar, dass hinter dem Erfolg von Welch keine Management-Philosophie steckt, die jeder einfach kopieren könnte. Das "System Welch" funktioniert nur mit der Person Welch. Und dieses lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen. "Mache immer nur das, was dir Spaß bringt", so seine zentrale Lebensmaxime. Auch sein zweiter Gesprächspartner, Simon Peter, der Gewinner des mm-Wettbewerbs "CEO of the Future", kann ihm nur wenig mehr entlocken. "Ziel eines jeden Menschen muss es sein, viel Selbstbewusstsein zu erlangen", fordert Welch den jungen Nachwuchsmanager auf, seinen eigenen Weg zu finden.

Laut einer von Welch bestätigten Anekdote hat er von seiner Mutter gelernt, dass man auch verlieren können muss. Als der kleine Jack nämlich einmal nach einer Niederlage beim Eishockey seinen Schläger über das Spielfeld schleuderte, nahm sich Grace Welch ihren Sohn zur Brust und beschimpfte ihn als einen "little punk", der nicht verlieren könne. Für einen kurzen Moment scheint Welch diese Lektion aber im 21. Stock des Bahntowers am Potsdamer Platz zu vergessen, als Kluge ihn nach seiner Meinung zur EU-Kommission fragt. "Jemand sagte einmal zu mir, dass es ihm sehr viel Spaß in Brüssel macht, weil man sich dort jeden Tag eine neue Regelung ausdenken könne", hält Welch mit seiner Meinung über die europäische Verwaltung, die ihm die Übernahme des Konkurrenten Honeywell verhagelte, nicht hinter dem Berg.

Ansonsten gibt Welch an diesem Tag aber ganz die Rolle des zufriedenen Pensionärs, der sich hier und da noch als Berater betätigen will. "Ich habe in meinem Leben sehr viel Glück gehabt", klingt fast schon ein bisschen Altersweisheit aus seinen Worten. Und auch bei einem späteren Glas Bier mit Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, der sich eine persönliche Begegnung mit Welch nicht nehmen lässt, wirkt der Amerikaner so, als habe er mit seiner Zeit als Manager in der ersten Reihe wirklich abgeschlossen.

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