Sonntag, 31. Juli 2016

Deutsche Bank Zieht das Machtzentrum bald nach London?

Die Deutsche Bank erwägt offenbar, den Sitz ihres Headquarters ("Corporate Center") von Frankfurt nach London zu verlagern. So will es angeblich der designierte Sprecher Josef Ackermann. Von Andreas Nölting.

[M];DPA.mm.de

Hamburg/Frankfurt am Main - Es wäre ein herber Schlag für den Finanzplatz Frankfurt - doch noch dementieren die Verantwortlichen die mögliche Sensation: Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen erwägt offenbar, den Sitz ihres Headquarters aus der Mainmetropole nach London zu verlagern.

So wollen es zumindest Eingeweihte wissen. Die treibende Kraft hinter dem spektakulären Ortswechsel, der eine 130-jährige Tradition beenden würde, sei der designierte Vorstandssprecher und ausgebuffte Investmentbanker Josef Ackermann, verlautet es aus den Frankfurter Zwillingstürmen.

Von der Verlagerung betroffen wären vor allem die 600 Mitarbeiter des "Corporate Center", das die weltweiten Aktivitäten des Finanzinstitutes steuert. Insgesamt arbeiten in Frankfurt rund 6000 Mitarbeiter für den Deutsche-Bank-Konzern.

"Globalisten" gegen "Heimatverbundene"

Der Ortswechsel ist allerdings, wie es in gut informierten Kreisen heißt, im achtköpfigen Vorstand noch heftig umstritten. Als das Thema während einer der letzten Sitzungen zur Sprache kam, sei es zu einer lautstarken Kontroverse gekommen. Für den Umzug, so heißt es, plädierten die "Globalisten" des obersten Führungsgremiums: Michael Philipp, Jürgen Fitschen und insbesondere der kommende Vorstandssprecher Josef Ackermann.

An ihrer Heimat weiter festhalten wollen jedoch offenbar Clemens Börsig, Thomas R. Fischer, Hermann-Josef Lamberti und Tessen von Heydebreck. Der amtierende Sprecher Rolf-E. Breuer hat sich, wie es heißt, noch nicht eindeutig entschieden.

Hilmar Kopper, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, äußerte sich gegenüber manager-magazin.de zu den Gerüchten amüsiert: "Ich habe selten so gelacht." Ein Sprecher der Deutschen Bank dementierte ebenfalls die brisante Meldung: "Nach meinen Informationen ist da nichts dran." Sowohl Breuer als auch Ackermann standen für ein Gespräch nicht zur Verfügung.

Dabei wäre der Umzug des Machtzentrums der Deutschen Bank in die europäische Finanzmetropole nur konsequent. Bereits jetzt hat das Institut zentrale Funktionen seines Geschäftes in London angesiedelt: Das Investmentbanking, der Aktienhandel, das Research und das Firmenkundengeschäft werden aus der britischen Metropole gesteuert und verantwortet. Auch das Asset-Management für institutionelle Kunden ist in London (sowie New York) angesiedelt.

In Frankfurt, so die Pläne, verbliebe dann nur noch die zentrale Verantwortung für die private Vermögensverwaltung. Dieses Geschäft wird insbesondere über die Frankfurter Fondstochter DWS gesteuert.

Andreas Nölting

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