Freitag, 29. Juli 2016

Wirtschaftskrise Vor dem Kollaps?

Der Domino-Effekt gewinnt an Fahrt. Die Versicherungen kündigen den Airlines die Verträge für das Risiko "Krieg und Terroranschläge". Schon bald könnte der Luftverkehr zusammenbrechen.

Bonn - "Die Folge ist, dass ab Montag, spätestens am nächsten Donnerstag, wenn die letzten Verträge auslaufen, Luftfahrtunternehmen wegen des Risikos einer unzulänglichen Deckung den Betrieb einstellen müssten", sagte Detlef Winter, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft deutscher Luftfahrtunternehmen (ADL), der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstagabend in Bonn. Ein Sprecher der LufthansaBörsen-Chart zeigen in Frankfurt bestätigte die Kündigung der Versicherungsverträge.

Winter sagte, neue Verträge würden statt einer bisherigen Deckungssumme von 1 Milliarde Dollar nur noch mit 50 Millionen Dollar je Flugzeug abgeschlossen. Selbst bei einer Bereitschaft, die Prämienzahlungen deutlich zu erhöhen, seien die Versicherungen nicht bereit, die Deckungssumme zu erhöhen.

Die Versicherer hätten den Fluggesellschaften mitgeteilt, dass eine höheres als die angebotenen 50 Millionen US-Dollar derzeit nicht versicherbar sei, sagte Winter. Dafür gebe es derzeit keine Rückversicherer. "Das Zusatzrisiko einer so stark herabgesetzten Deckungssumme kann von den Fluggesellschaften nicht übernommen werden."

Eine kurzfristige privatwirtschaftliche Lösung sei derzeit nicht absehbar. Als einziger Ausweg bliebe, dass der Staat für das Risiko Krieg und Terror die Staatshaftung erklärt. Komme es nicht rechtzeitig zu einer Lösung, dass die Flugzeuge nach einem formellen Beschluss der Bundesregierung in Staatspatronage übernommen werden, werde es von nächster Woche an große Probleme im Luftverkehr geben.

Ein Sprecher der Lufthansa sagte, sein Unternehmen reagiere "äußerst befremdet über das Verhalten der Versicherungen". Sie wollten Profit aus der derzeitigen Situation schlagen. Die Lufthansa habe das Problem aber im Griff und gehe davon aus, dass die Maschinen starten könnten. Details wollte er nicht nennen.

Er bestätigte, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gebe, über die die Lufthansa auch im direkten Gespräch mit der Bundesregierung sei. Die Gespräche würden aber nicht öffentlich geführt.

Britische Fluglinien fordern Regierungsbürgschaft

Führende britische Fluglinien sehen sich Presseberichten zufolge möglicherweise gezwungen, ihre Flüge ab Dienstag einzustellen, falls die Regierung ihnen keine Hilfe bei der Abdeckung ihrer Versicherungsrisiken anbietet. Um die Dienste der Fluggesellschaften nach den Terroranschlägen gegen die USA aufrechtzuerhalten, untersuchten die zuständigen Minister bereits Hilfs-Maßnahmen, berichtet das Wirtschaftsblatt "Financial Times" am Freitag ohne Nennung einer Quelle.

Zuvor hätten zehn britische Fluglinien in einem Brief ein entsprechendes Gesuch an den Transport-Minister Stephen Byers gerichtet.

Als mögliches Konzept werde über eine Art Bürgschaft der Regierung für die Versicherungen der privaten Airlines nachgedacht. Weltweit hätten viele Versicherungen ihren Klienten mitgeteilt, dass sie ihre Haftung für Kriegsschäden ab Montag Nacht einstellen würden, hieß es. Das bedeute, dass die Versicherungsgesellschaften und die Versicherungsnehmer vor dem Hintergrund möglicher Militärschläge der USA ihre Vertragsbedingungen neu verhandeln müssten.

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