Montag, 29. August 2016

Commerzbank "Wir schneiden alte Zöpfe ab"

Die Bank kündigt "harte Maßnahmen" an, und Großinvestor Ehlerding erhöht seinen Anteil.

Frankfurt - Die Gerüchte über massive Stellenstreichungen bei der Commerzabank scheinen sich zu bestätigen. "Wir werden zu harten und unbequemen Maßnahmen kommen müssen, und ich kann den Abbau von Personal heute nicht mehr ausschließen", sagte Müller in der Commerzbank-Fernsehsendung "geldactiv" auf n-tv.

Die "Rosskur", die er der Commerzbank verordnet habe, werde hart werden, sagte Müller. In den nächsten vier Wochen würden die Pläne der Bank-Führung dem Aufsichtsrat vorgelegt, sagte Müller weiter.

Müssen 4.000 Angestellte gehen?

Früheren Presseberichten zufolge sollen bei der Commerzbank zehn Prozent der insgesamt rund 40.000 Arbeitsplätze zur Disposition stehen. Die Bank hatte die Zahl bislang spekulativ genannt und mitgeteilt, es gebe keine Pläne für einen Stellenabbau über das bisher geplante Maß hinaus.

"Es gilt jetzt, eine ganz harte Kostenoffensive durchzusetzen", sagte Müller weiter. "Wir müssen uns von überflüssigem Ballast trennen, wir müssen da wo Fett angesetzt worden ist, uns von diesem wieder verabschieden. Es gilt hier, alte Zöpfe abzuschneiden."

Die Commerzbank leidet wie andere deutsche Großbanken unter sinkenden Erträgen angesichts der sich abschwächenden Weltwirtschaft und des schwachen Börsenumfeldes. Gleichzeitig kämpft das Geldhaus wie auch seine Konkurrenten mit hohen Kosten.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Commerzbank vor diesem Hintergrund das Restrukturierungsprogramm CB21 aufgelegt, das die Kosten senken soll. Auch gilt seit Mitte 2001 Jahres ein Einstellungsstopp. Früheren Angaben Müllers zufolge will die Bank auch bei teuren Leiharbeitskräften Kosten sparen.

"Personalkosten könnten angegangen werden"

"Es gibt bislang keinen Vorstandsbeschluss zum Personalabbau", hatte ein Commerzbank-Sprecher noch Anfang der Woche gesagt. "Deshalb sind alle Zahlen dazu spekulativ." Der Sprecher hatte allerdings eingeräumt, dass die Kosten- und Ertragslage der Bank derzeit schwierig sei. "An der Kostenseite können wir selbst etwas ändern und auch die Personalkosten könnten dabei angegangen werden."

Analysten hatten am Mittwoch gesagt, die schwache Ertragslage der deutschen Banken könne sich durch die Anschläge in den USA in der vergangenen Woche noch verschärfen und die Geldhäuser zum Abbau von Arbeitsplätzen zwingen. Nur so könnten die im Vergleich zu den erträgen exorbitant hohen Kosten in einem absehbaren Zeitraum gesenkt werden.

Auch Dresdner Bank baut massiv ab

Als erste der deutschen Großbanken hatte am Dienstag die zum Allianz-Konzern gehörende Dresdner Bank bekannt gegeben, mehr Stellen abbauen zu wollen, als bisher geplant. Bis 2003 würden 1300 Stellen gestrichen, um Kosten zu sparen und die Ertragskraft der Bank zu stärken.

Im vergangenen Jahr hatte die Dresdner Bank mitgeteilt, 5000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Ende Juli hatte das Haus zudem gemeldet, 1500 Stellen im Investmentbanking zu kürzen.

Karl Ehlerding kauft zu

Unterdessen erfuhr manager-magazin.de, dass der Hamburger Investor Karl Ehlerding, der immer wieder in Zusammenhang mit der Cobra-Gruppe gebracht wird, seinen Anteil an der Commerzbank seit einigen Tagen kontinuierlich erhöht. Gegenüber mm.de bestätigte Ehlerding den Sachverhalt. Er begründete seine Käufe mit dem momentan günstigen Einstiegsniveau.

Ehlerding: "Die Aktie der Commerzbank ist momentan massiv unterbewertet. Wenn man alles zusammenrechnet, kommt man auf einen Substanzwert von mindestens 25 Euro. Daher nutze ich die aktuelle Situation, um meinen durchschnittlichen Einstandskurs zu verbilligen."

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