Mittwoch, 7. Dezember 2016

Kommentar Das Ende der Schamfrist

Statt seinen Mitarbeitern endlich einmal die volle Wahrheit über die Zukunft der Dresdner Bank zu sagen, zieht sich Vorstandschef Bernd Fahrholz hinter die angeschlagene Weltwirtschaft zurück.

Hamburg - Genau sieben Tage ist es her, dass die furchtbaren Attentate auf New York und Washington die Welt schockten. Trauer und Entsetzen bestimmten nicht nur das öffentliche sondern auch das wirtschaftliche Leben. Die Dresdner Bank hingegen kehrte schnell zum Alltag zurück. In äußerst ungeschickter Weise hält Bernd Fahrholz an seinem Fahrplan zum Umbau der Bank fest und serviert zaghaft und scheibchenweise ein weiteres Stück des wahren Ausmaßes. Zusätzlich nennt er in einem Schreiben an seine Mitarbeiter die durch den Anschlag herrschende Verunsicherung als Begründung.

"Vor dem Hintergrund der unsicheren welt- und wirtschaftspolitischen Lage sind wir alle aufgerufen, entschlossen zu handeln", so Fahrholz im Originaltext. Statt eines Eingeständnisses von Managementfehlern nur ein "Schuld haben immer die anderen". Dass es sich dabei in diesem Fall um Terroristen und deren Opfer handelt, scheint nicht zu stören.

Anfang August hatte Fahrholz zum Startschuss des gemeinsamen Vertriebs mit der Allianz unter dem Motto "Doppelt gut voran" noch Optimismus verbreitet und Milliardensynergien beschworen. Nur ein Beispiel für eine Reihe von immer unglaubwürdigeren Motivations-Auftritten des Bernd Fahrholz.

Es wäre einmal an der Zeit, dass Fahrholz nicht den ständig fröhlichen Bankvorstand gibt, sondern seinen Mitarbeitern die Karten auf den Tisch legt und sich zu seiner Rolle als Allianz-Vorstand bekennt. Ziel: Die Dresdner Bank zu einem lohnenden Investment zu machen. Dazu müsste er noch nicht einmal die Schrecken dieser Welt zitieren.

mm.de
mm.de-Redakteur Arne Stuhr

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