Samstag, 17. November 2018

WestLB Spielsucht ausgenutzt?

Ein Spielcasino der Bank wurde wegen seiner Praktiken vor dem Bremer Landgericht verklagt.

Düsseldorf - Neuer Ärger für die WestLB: Das Finanzhaus muss sich mit einer Klage vor dem Bremer Landgericht auseinandersetzen, weil ein Casino seiner Tochterfirma Westspiel einen spielsüchtigen Stammkunden geschädigt haben soll.

Eingereicht wird die Klage von einem ehemaligen Unternehmer, der wegen seiner Spielsucht zum eigenen Schutz eine Selbstsperre veranlasst hatte. Trotzdem, so der Kläger, sei er vom Direktor der Bremer Spielbank persönlich zum erneuten Spiel animiert und ins Casino geleitet worden.

In einem Jahr über 2,1 Millionen Mark verloren

Nach Angaben seines Anwaltes Jens-Peter Gieschen war die krankhafte Spielsucht des früheren Geschäftmannes offensichtlich; allein in Bremen habe er innerhalb eines Jahres über 2,1 Millionen Mark verloren.

Die Spielbank selbst bestreitet die Darstellung des Kunden. Westspiel-Pressesprecher Frank Mühr: "Wir haben den Sachverhalt überprüft und sind sicher, dass der Kläger nach seiner Selbstsperre nicht mehr im Bremer Casino gespielt hat." Bestritten wird auch die Höhe des genannten Verlusts von über 2,1 Millionen Mark. Frank Mühr: "Wir halten diese Summe für sehr hoch gegriffen."

Die Bremer Spielbank ist eines von fünf Casinos, die sich im Besitz der Westdeutsche Spielbanken GmbH & Co. KG befinden. Miteigentümer ist die Bremer Landesbank, die damit ebenfalls von der Klage betroffen ist.

Für den Anwalt des Klägers steht fest, dass die Spielbetriebe der beiden Landesbanken ihrem staatlichen Auftrag nicht gerecht werden. Jens-Peter Gieschen: "Man muss bedenken, dass Lizenzen für Spielcasinos nicht ohne Grund ausschließlich an die öffentliche Hand vergeben werden. Damit soll laut Bundesverwaltungsgericht gewährleistet werden, dass 'der Spielvertrieb eingedämmt und kanalisiert' und 'krankhafte Spielsucht und Vermögensverfall verhindert' wird."

Gegen diesen Grundgedanken sei jedoch klar verstossen worden. Gieschen: "WestSpiel hat ein 'Tracking-System' entwickelt, mit dem Daten über 'seltene Hochspieler' gesammelt wurden. Sinn dieser Übung war es, die lukrativen Kunden an die Casinos zu binden und zum Spielen mit höheren Einsätzen zu animieren."

Parkplatz für Wohnmobil angeboten

Im Falle des Kläger ging die Vorzugsbehandlung nach seinen Angaben soweit, dass der Casino-Chef dem Spieler anbot, sein Wohnmobil wegen der "kürzeren Wege" auf einem angrenzenden Behördenparkplatz abzustellen - für Strom- und Wasseranschluss, so die Zusage, werde die Haustechnik sorgen.

Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich dabei um einen einmaligen Vorfall. Sprecher Frank Mühr: "Dem Kunden wurde in der Tat angeboten, sein Fahrzeug auf dem Parkplatz abzustellen. Das allerdings nur deshalb, weil er an dem fraglichen Abend nicht mehr in der Lage war, nach Hause zu fahren..."

Nun verlangt der Kläger von der Bremer Spielbank die Rückzahlung der verlorenen Einsätze. Sollten die Richter des Landgerichtes ihm recht geben, könnte die Entscheidung nach Ansicht seines Anwaltes zu einem Musterfall werden. Gieschen: "Es gibt in Deutschland rund 120.000 Spielsüchtige. Einiges deutet darauf hin, dass es vielen von ihnen ähnlich erging wie unserem Mandanten."

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