Dienstag, 27. September 2016

Allianz Die wahren Allianz-Pläne

Steht der Kern der alten Dresdner Bank demnächst zum Verkauf?

Noch bei Ankündigung der Übernahme Anfang April sah die Zukunftsplanung ganz anders aus. DKW, so hatten Schulte-Noelle und Fahrholz vereinbart, werde zwar verselbstständigt, mit Eigenkapital versorgt und mittelfristig an die Börse gebracht. Die Einheit solle aber mehrheitlich im Konzern bleiben.

  Investmentbanker Leonhard Fischer,  Chef der neuen Dresdner-Sparte
Investmentbanker Leonhard Fischer, Chef der neuen Dresdner-Sparte
Für sich allein wäre die Investmentbank aber wohl nicht börsenfähig gewesen - jedenfalls nicht ohne Milliardeninvestitionen. Zu solchen Aufwendungen allerdings war die Allianz nicht bereit.

Offenbar war den Münchenern anfangs auch unklar, wie eng Firmenkundengeschäft und Investmentbanking verzahnt sind. Nur durch eine Zusammenführung mit der Firmenkundensparte, dämmerte den Assekuranzmanagern, könne es für DKW eine glaubwürdige Bösenstory geben.

Mehr als zwei Monate dauerten die Verhandlungen zwischen Allianz-Beteiligungsvorstand Paul Achleitner (45) und Leonhard Fischer (38), dem obersten Investmentbanker der Dresdner, über die Zukunft des Großkundengeschäfts der Bank. Zwischendurch hatten sich immer wieder Schulte-Noelle und Fahrholz eingeschaltet. Ende Juli stand fest: Kapitalmarkt- und Firmenkundengeschäft werden im neuen Bereich Corporates & Markets gebündelt.

  Paul Achleitner:  Finanzchef der Allianz
DPA
Paul Achleitner: Finanzchef der Allianz
Die neue Sammelsparte stellt das Herzstück der Bank dar: Sie beschäftigt auf Basis der addierten Werte für das vergangene Jahr gut ein Drittel der Mitarbeiter, beansprucht aber knapp 60 Prozent des Kapitals und verdiente mehr als drei Viertel des 2000er Vorsteuergewinns.

Die Umstrukturierung eröffnet der Allianz reizvolle Möglichkeiten, die Neuerwerbung Dresdner Bank optimal zu verwerten.

Offiziell ist davon allerdings noch keine Rede. Vor allem Fahrholz will unbedingt vermeiden, dass die Mitarbeiter seiner Bank schon wieder verunsichert werden. Schulte-Noelle spielte mit, des lieben Friedens willen. Dabei hätten er und Achleitner gern kommuniziert, dass sie sich für die neue Firmensparte der Dresdner alle Optionen offen halten wollen.

Die ganze Wahrheit aber wäre auch das nicht gewesen. Die Allianz-Strategen haben bereits eine klare Präferenz: Sie wollen Corporates & Markets auf mittlere Sicht wieder loswerden. Die Integration ist nur eine Zwischenlösung.

Allenfalls für eine Übergangszeit, bis der Markt für die betriebliche Altersvorsorge verteilt ist, ist der Zugang zu den Firmenkunden der Dresdner für die Allianz nützlich. Später braucht sie diesen Teil der Bank nicht mehr.

Die neue Allianz: Organisationsstruktur und Ressortverteilung im Konzernvorstand
Die Planer in München haben sich auch schon eine Ausstiegsmöglichkeit überlegt: Vorstand Fischer soll die neu formierte Sparte zunächst auf Vordermann bringen. Das Geldhaus soll sich von Randaktivitäten trennen, etwa dem Hypothekengeschäft, dem Transaction Banking oder der Dresdner Bank Lateinamerika. Anschließend könnte das Privatkundengeschäft, an dem die Allianz vor allem interessiert ist, ausgegliedert und in den Mutterkonzern integriert werden.

Übrig bliebe eine Restbank, die aus dem Kern der heutigen Dresdner bestünde, dem Kapitalmarkt- und Firmengeschäft. Für diese auf Europa spezialisierte Großkundenbank, so das Kalkül der Allianz, könnte sich in drei bis vier Jahren ja ein Käufer finden lassen.

Überlegt wird aber auch, eine runderneuerte und abgespeckte Bank an der Börse zu platzieren.

Nach den Wirren der vergangenen Jahre eigentlich keine schlechte Perspektive für die Dresdner.

Arno Balzer/Georg Jakobs

Zurück zum ersten Teil: Stunde der Taktierer

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH