Donnerstag, 19. Oktober 2017

Tote Marke - Nixdorf Computer Legende aus der Kellerwerkstatt

Heinz Nixdorf war der Vorzeigeunternehmer der deutschen Computerindustrie. Heute steht sein Name auf keinem Gehäuse mehr, doch tot ist die Marke deshalb nicht.

  Man nannte ihn "Schlepptop":  Der Nixdorf 8810/25, einer der ersten mobilen PCs, war kein Leichtgewicht. Er wog acht Kilo und kostete bei Markteinführung 1985 rund 8000 Mark.
Gerald Schröder
Man nannte ihn "Schlepptop": Der Nixdorf 8810/25, einer der ersten mobilen PCs, war kein Leichtgewicht. Er wog acht Kilo und kostete bei Markteinführung 1985 rund 8000 Mark.

1952 gründet der Ostwestfale Heinz Nixdorf nach abgebrochenem Physikstudium sein "Labor für Impulstechnik" - in einer Kellerwerkstatt der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE). Damit begann die Erfolgsgeschichte, die Nixdorf zwischenzeitlich einen Umsatz von fast vier Milliarden bescherte und zum viertgrößten Computerhersteller Europas mit fast 30.000 Beschäftigten machte.

Allein zwischen 1966 und 1976 explodierte der Umsatz von 28 auf 686 Millionen Mark. Zwei Jahre später wurde die Milliarden-Grenze durchbrochen, und 1985 erreichte der Umsatz bei 3,9 Milliarden Mark seinen Höchststand.

Doch der Niedergang war auf dem Höhepunkt schon eingeläutet. Nixdorf hatte nicht nur den Siegeszug des Personal Computers verschlafen - auch eine vernünftige Kostenrechnung existierte in dem Unternehmen nicht, und nur dem Talent der Verkaufstruppe war es zu verdanken, dass man noch 1987 mit dem 1976 entwickelten Rechnersystem 8870 Geld verdienen konnte. Nixdorf erlebte den Niedergang nicht mehr. Er starb 1986 auf der Cebit an einem Herzinfarkt.

  Nixdorf-Werbung:  Mit veralteter Technik ging es in den 80er Jahren mit Volldampf in die Krise.
Wolfgang Schröder
Nixdorf-Werbung: Mit veralteter Technik ging es in den 80er Jahren mit Volldampf in die Krise.
Auch der neue Eigentümer Siemens, der Nixdorf 1990 schluckte, hatte mit dem Paderborner Unternehmen wenig Glück. 1999 brachte der Münchener Elektronikriese den Computerbauer in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Fujitsu ein. Aus Siemens-Nixdorf wurde Fujitsu-Siemens.

Überlebt hat der Name Nixdorf nur im Bereich Kassensysteme und Geldautomaten. 1999 verkauften Siemens den Geschäftsbereich an eine Investorengruppe, bestehend aus der Investmentbank Goldmann Sachs und dem Finanzinvestor KKS. Unter dem Namen Wincor-Nixdorf feiert das Unternehmen seitdem Erfolge.

Schon zu Siemens-Zeiten entwickelte sich die Sparte zum drittgrößten Hersteller von Kassenautomaten der Welt und verdoppelte in vier Jahren ihren Umsatz. Und seit dem Ausstieg der Münchener leuchtet das Firmenzeichen auch wieder in rot statt in türkis, ganz wie in alten Zeiten.


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