Montag, 17. Dezember 2018

Tote Marke - Horten Wirtschaftswunderschicksal

Einst stand der Name des Kaufhauses für das deutsche Wirtschaftswunder - dann kam die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und schließlich die Fusion mit Kaufhof.

 Trister Beton: Einstiges Horten-Kaufhaus in Frankfurt/Oder
DPA
Trister Beton: Einstiges Horten-Kaufhaus in Frankfurt/Oder

Die Wirtschaft der jungen Bundesrepublik lief in den Fünfziger Jahren auf Hochtouren, und bei Horten gab es alles, was man während des Krieges entbehren musste. Die Ursprünge des Unternehmens sind allerdings dunkel und fallen in die Zeit nationalsozialistischer Schreckensherrschaft in Deutschland.

Helmut Horten (1909 -1987), der Sohn eines Senatspräsidenten, übernahm 1936 ein Duisburger Kaufhaus, dessen Besitzer jüdischen Glaubens vom Hitler-Regime außer Landes getrieben wurden - ein klassischer Fall sogenannter "Arisierung".

Horten nahm seine zweifelhafte politische Gesinnung mit in die junge Bundesrepublik. Er schwärmte stets für starke Männer in der Politik, Ordnung, Sauberkeit und weiße Hemden. Als Unternehmer erkannte er nach 1945 früh die Chancen des wachsenden Wohlstands und ließ in Duisburg den ersten größeren Einkaufstempel der Bundesrepublik einrichten. Mit dem Aufschwung stieg die Kaufhauskette zur viertgrößten der Republik auf.

Riesen-Blechbüchse: Ehemalige Horten-Filiale in Leipzig, 1908 als Kaufhaus Brühl eröffnet.
Mit dem Wirtschaftswunder endete auch die Erfolgsgeschichte der Kaufhauskette. Horten hatte in der Zwischenzeit seinen Besitz in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und - Stück um Stück - für etwa 1,2 Milliarden Mark verkauft. Dank einer Gesetzeslücke musste er den Erlös nicht versteuern.

Bereits Ende der achtziger Jahre wurde offen über das Ende von Horten spekuliert. Auch der Verkauf an die WestLB konnte das Unternehmen nicht retteten. Der Konzern verschwand unter das Dach der Metro und wurde mit der Kaufhof-Kette verschmolzen.


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