Dienstag, 20. Februar 2018

Tote Marke - Kreidler Wüstentauglicher Rekordroller

Nur 50 Kubikzentimeter und doch fast ein echtes Motorrad. Mit diesem Erfolgsrezept wurde die Kreidler Florett zum Wunschobjekt mehrerer Generationen von Zweiradfans.

Mehr zum Freizeitspaß stieg der Ingenieur Alfred Kreidler 1949 in die Fahrzeugproduktion ein. Vom Vater hatte er eine Metallhalbzeug-Fabrik übernommen, die Einzelteile für die Elektrobranche, die Bauwirtschaft und die Uhrenindustrie herstellte. Berühmt jedoch wurde der Name Kreidler durch den Erfolg seiner Mopeds.

Wunschobjekt jedes Halbstarken: Die Sehnsucht nach einer Kreidler Florett zählt zum gemeinsamen Pubertätsschatz der heute Vierzig- und Fünfzigjährigen.
Viermal holten Kreidler-Fahrer den Weltmeistertitel in der Klasse bis 50 Kubikzentimeter, fünfmal gewann Kreidler die Herstellerwertung. Auf über 220 Stundenkilometer konnte die Florett beschleunigt werden, was ihr zwei Geschwindigkeitsrekorde in ihrer Klasse einbrachte. Allerdings nur in der Wüste.

Der umtriebige Ingenieur gab sich damit aber nicht zufrieden. 32 Firmen gehörten zeit- und teilweise zur Kreidler-Gruppe, darunter Banken oder der mittlerweile ebenfalls bankrotte Uhrenhersteller Kienzle.

Zum Verhängnis wurde der Firma das, was sie einst groß gemacht hatte: der Schaffensdrang ihres Besitzers. Zwar hatte Kreidler schon 1963 im Alter von 65 Jahren die Geschäftsführung niedergelegt, doch hielt er als Vorsitzender des Aufsichtsrats und als Haupteigner bis zu seinem Tod 1980 alle Fäden in der Hand.

Den Ansprüchen der Wirtschaft war der 83-Jährige nicht mehr gewachsen. Manche Maschine in der Fabrik hätte fast das Alter des Besitzers erreicht, spottete "Der Spiegel" damals. Am 20. Februar 1981 endete die Geschichte der Kreidler-Werke mit dem Bankrott des Unternehmens.


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